Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

4. Oktober 2017
von Carls Schreiberin
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Ein paar Worte über Ruhrgebietsliteratur

Der Oktober-coolibri ist da. Mit einem Literaturspecial. Und ich geb im Interview meinen Senf zum Thema Ruhrgebietsliteratur dazu. Darüber, was Ruhrgebietsliteratur überhaupt ist. Und darüber, wie blöd ich es finde, dass Ruhrgebietsliterat zu sein auch ein Stigma bedeuten kann. Und warum ich mich trotzdem als Ruhrgebietsliteratin bezeichne. Schon allein aus Trotz nämlich. Trotz … Auch so ein wichtiges Wort, über das man hier mal nachdenken könnte.

Eure CARLs Schreiberin

Sarah Meyer-Dietrich

3. Oktober 2017
von Carls Schreiberin
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Schockierende Worte #2: the pure evil

In Las Vegas tötet ein 64-Jähriger mindestens 59 Menschen und verletzt Hunderte.
Mir fehlen die Worte angesichts dieser Tat. Mir fehlen die Worte.
Donald Trump fehlen sie nicht. Dürfen sie nicht fehlen. Er ist Präsident. Er hat gefälligst etwas zu sagen über ein Massaker, das unsäglich ist.
Donald Trump ergreift das Wort und sagt – unter anderem – diesen Satz:
It was an act of pure evil.

Ich zucke zusammen.
Ich verurteile die Tat doch auch. Obwohl ich manchmal darüber erschrecke, wie wenig mich Schreckensmeldungen dieser Art – seien es Terroranschläge oder Amokläufe – noch schocken. Wie wenig sie mir an manchen Tagen unter die Haut gehen. Meine Haut, die elefantenhautdick geworden zu sein scheint in den letzten Jahren.

It was an act of pure evil.
Ich verurteile auch und zucke doch zusammen.
An act of pure evil.
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2. Oktober 2017
von Carls Schreiberin
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Wortentdeckung #6: Muffen und anderes Getier

Es gibt Worte, die sucht man gar nicht. Sie laufen einem einfach zu. Neulich zum Beispiel. Als mein Freund einen beruflichen Anruf bekam, noch ehe er überhaupt aus dem Haus und auf dem Weg zur Firma war.

Es ging um Abnahmemengen und Anfertigungen und um … MUFFEN!

Da saßen bei uns im Flur mit einem Mal viele kleine pelzige Tiere. So also, dachte ich, sehen Muffen aus. Ungemein flauschig und fellig. Ich hätte sie mir gern genauer angeguckt. Aber jedes Mal, wenn ich mich einer Muffe näherte, witschte sie quietschend davon.

Was für Schisser, dachte ich kopfschüttelnd und mit einem Mal begriff ich den Ausdruck MUFFENsausen. Muffensausen bedeutet ja Angst haben, und diese Muffen … nun ja … Das passte!

Gleich musste ich auch an MUFF denken. Nicht den Muff, der einem aus dem Keller entgegenschlägt oder aus einem selten bis nie gelüfteten Schlafzimmer. Sondern der Muff, in den man im Winter seine Hände stecken kann, um sie zu wärmen. Altmodisch eigentlich. Früher aus Pelz. Trägt heute keiner mehr, weil Handschuhe viel praktischer sind. Und vielleicht auch, weil Umweltschützer nicht gerne sehen, wie man mit einem solchen, aus getöteten Muffen zusammengenähten, Accessoire durch die Gegend läuft.

Ich hatte als Kind einen Muff. In Kindergartenzeiten. Nicht aus Fell allerdings, sondern aus Plüsch. Ich liebte diesen Muff heiß und innig. Schon wegen des Wortes. Muff. Warm und flauschig klang das. Ich liebte als Kind alles, was flauschig war. Weiterlesen →

1. Oktober 2017
von Carls Schreiberin
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Wichtige Worte #2: RUHR-OMRÅDET

Im September erschien in der norwegischen Zeitung Aftenposten eine Reportage über den Wandel im Ruhrgebiet. Ich gebe darin auch meine Meinung ab. Und so wurde CARLs Schreiberin dann tatsächlich Cover-Girl vom Aftenposten!

Ruhrgebiet heißt auf norwegisch übrigens: RUHR-OMRÅDET.

Ich finde es wunderbar, dass es ein norwegisches Wort für Ruhrgebiet gibt. Noch wunderbarer finde ich, dass die norwegische Journalistin Ingrid Brekke sich so sehr für das Ruhrgebiet begeistern lassen hat, dass sie eine so schöne und umfangreiche Reportage darüber geschrieben hat.

Jetzt wissen also auch die Norweger, dass sich hier in den letzten Jahrzehnten einiges geändert hat. Und wie lebenswert die Region ist.

RUHR-OMRÅDET. Für mich das norwegische Wort für Heimat!

30. September 2017
von Carls Schreiberin
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Écriture automatique #1: die Poesie der Maschinen

Écriture automatique, auch automatisches Schreiben, bezeichnet eine Methode des Schreibens, bei der Bilder, Gefühle und Ausdrücke (möglichst) unzensiert und ohne Eingreifen des kritischen Ichs wiedergegeben werden sollen. Sagt Wikipedia. Wenn Wikipedia das sagt, muss es stimmen. Wikipedia weiß alles. Wikipedia hat immer recht.

Die Zeiten, in denen ich Dinge im ich-weiß-nicht-wie-viel-bändigen Brockhaus nachgeschlagen habe, sind lange, lange vorbei. Manchmal denke ich wehmütig daran zurück. Wie ich als Kind einen der schweren Bände aus dem Regal zog und für jeden Querverweis einen neuen Band zur Hilfe holen musste.

Wie viel leichter (nicht nur gewichtstechnisch gesehen) ist es geworden, sich durch die Hyperlinks zu klicken. Leichter. Und ein bisschen langweiliger.

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28. September 2017
von Carls Co-Schreiberin
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Lästige Worte #1 Befangenheit. Oder: Ein neues Buch von Carls Schreiberin

Carls Schreiberin Sarah Meyer-Dietrich hat einen Roman geschrieben. Er heißt „Ruhrpottkind“ und ist – wenn ihr mich fragt – lustig, spannend, traurig, schön.

Aber wer fragt mich? Ich war bei der Entstehung von „Ruhrpottkind“ immer mal wieder dabei. Habe erste Texte gehört, noch ehe klar war, dass sie in den Roman einfließen würden. Habe als Testleserin fungiert. Ein bisschen lektoriert. Sogar beim Cover-Shooting war ich anwesend. Ich bin für diesen Blog Sarahs Co-Schreiberin und im sonstigen Leben ihre Schwester. Ich bin also befangen.

Bei Wikipedia lese ich: „Mit Befangenheit wird der Zustand eingeschränkten (das heißt nicht unabhängigen) Urteilsvermögens einer Person aufgrund einer im Speziellen vorliegenden persönlichen Motiv- oder Sachlage oder eingeschränkten Urteilsvermögens auf Grund von einseitig bewerteter, das heißt nicht in ausgewogenem Verhältnis vorliegenden Informationen bezeichnet.“
Vor Gericht werden Richter wegen Befangenheit abgelehnt. Weiterlesen →

26. September 2017
von Carls Schreiberin
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Wichtige Worte #1b: eine Meinung zum Thema Meinung

CARLs Co-Schreiberin Anja Kiel hat zum Thema Meinung geschrieben. Und ich will gleich meinen Senf dazu geben. SENF = (lt. Duden online) „aus gemahlenen Senfkörnern mit Essig und Gewürzen hergestellte gelbbraune, breiige, würzig bis scharf schmeckende Masse.“

Hier aber gemeint als: SYNONYM für MEINUNG.

Ich hab früher dauernd zu allem meinen Senf dazu gegeben.
Behauptete jedenfalls eine ehemalige Kollegin. Nennen wir sie M.
M. war immerhin der MEINUNG, dass es ziemlich guter Senf war, den ich dazu gab.
Das wiederum wirft die Frage auf: Gibt es das überhaupt? Gute und schlechte Meinungen? Oder ist das wie mit dem Senf? Ich mag lieber schön scharfen Dijon-Senf als süßen Senf (nicht metaphorisch, sondern ganz prosaisch gemeint). Ich kenne aber Menschen, die sehen das anders.

 

MEINungen

Ich gebe immer noch oft meinen Senf ab. Aber ich merke auch, dass ich mich manchmal scheue. Den Senf in der Tube lasse sozusagen. Gar nicht mal, weil ich nicht Gesicht zeigen will zur Meinung. Sondern weil ich es manchmal gar nicht wage, mir eine Meinung zu bilden. Weil ich bei manchen Themen denke, dass ich nur mit 10 Tageszeitungen im Abo, die ich wirklich auch täglich lesen müsste, denke, genug Background-Wissen für eine passende Meinung zu haben.

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25. September 2017
von Carls Co-Schreiberin
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Wichtige Worte #1: Meinung

Ich sehe sie schon, noch bevor ich einen Parkplatz gefunden habe. Auf einem Zaun rund um die große Baustelle am Holsterhauser Platz in Essen prangen Porträtfotos mit Sätzen wie „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, „Benutzt euer Hirn! Kost nix“ oder „Recht auf Freiheit“.
Hier hat niemand anonym seine Meinung aufgesprüht. Ganz offiziell erlaubte die Allbau GmbH, Fotos des Projekts „Mein Gesicht: meine Meinung“ auf ihrem Bauzaun zu präsentieren. Weil der Essener Firma die Demokratie und damit die Meinungsfreiheit wichtig ist, wie Geschäftsführer Dirk Miklikowski auf der Pressekonferenz betont, an der ich als Carls Co-Schreiberin teilnehme.

Das Projekt selbst – eine Zusammenarbeit zwischen dem Jugendamt Essen und der Zeche Carl. Entstanden aus dem Bedürfnis, ein Gegengewicht zu den oft anonymen Hasspostings auf Facebook, Twitter und Co. zu setzen. Auf Veranstaltungen wie dem Weltflüchtlingstag (Wortklauberin Weronika Kapala berichtete) oder der Extraschicht wurden Besucher um Meinungsäußerung gebeten. Schulen konnten im Rahmen von Projekttagen das Fototeam einladen, um ihre Schüler zu animieren: „Sag doch mal deine Meinung!“ Weiterlesen →

24. September 2017
von Carls Schreiberin
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Missing words #1 – You made my day

Es gibt Worte, die gibt es gar nicht.
Worte, die immerzu fehlen.
Worte, die Sprache schöner machen würden, wenn es sie gäbe.
Oder meinetwegen auch ganze Redewendungen, die einfach nicht da sind, so sehr man sie auch braucht.
Besonders fällt mir das auf, wenn es die Worte oder Wendungen in einer anderen Sprache doch gibt. Dann ist da plötzlich eine Lücke im deutschen Sprachraum, die ich vermutlich gar nicht bemerkt hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es das Wort/die Wendung irgendwo anders gibt.

YOU MADE MY DAY.
Das ist so eine Wendung. Natürlich könnte ich sagen: Du hast meinen Tag gerettet. Aber das ist einfach nicht dasselbe. Du hast meinen Tag gerettet, heißt doch, dass der Tag in Not war und gerettet werden musste.

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19. September 2017
von Carls Schreiberin
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Wortentdeckung #5: UM

Ich. Neulich. Mit meiner chinesischen Sprachschülerin – nennen wir sie M. – mit der ich deutsche Bücher lese, damit sie Deutsch lernt.
M. übersetzt die deutschen Sätze ins Englische. Ich korrigiere, erkläre und ergänze.
Während ich noch einem Wort aus dem letzten Satz nachhänge, beginnt M. bereits den nächsten Satz zu übersetzen:
They walked around their lives.

Ich stutze.
They walked around their lives?

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