Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

13. Januar 2017
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Warm durch die Nacht

Jeden Samstag und Dienstag verteilen die Helferinnen und Helfer der Aktion „Essen packt an“ warme Suppen an die Obdachlosen in der Essener Innenstadt. Organisiert wird die Aktion über Austausch mit Bekannten und das Social Network. Viele Obdachlose nehmen die Suppe dankbar an. Die freiwilligen Helfer möchten den Obdachlosen eine kleine Freude bereiten und sie wenigstens ein bisschen warm durch die Nacht bringen. Mit einem Rollwagen voll Suppe soll ein wenig Wärme an die Menschen verteilt werden. „Essen packt an“ freut sich immer über freiwillige Helferinnen und Helfer! Treffpunkt ist dienstags und samstags um 18 Uhr an der WiederbrauchBAR, Weberstraße.
Moutasm Alyounes

7. Januar 2017
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Verwirrende Worte #1: Vorsatz

Was ist ein Satz?
Laut Duden eine „aus mehreren Wörtern bestehende (…) sprachliche Einheit.“
Was ist ein Vorsatz?
Laut deutscher Rechtsprechung das „Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“.
Und was ist ein guter Vorsatz?
Laut Plakat an der Bushaltestelle der Wille zum Abnehmen.

Vor-Satz. Komisches Wort. War der Vorsatz schon vorher da? Vor dem Anfang? Vor dem Wort? Aber kann er nicht eigentlich erst nach dem Wort kommen?

Als Autorin sehen meine guten Vorsätze für dieses noch junge Jahr natürlich so aus:
– schöne neue Worte finden
– ein Buch schreiben (oder zwei?)
– andere zum Lesen und Schreiben motivieren Weiterlesen →

30. Dezember 2016
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Ein offenes Wort #1:
Weil vielen jetzt der Arsch auf Grundeis geht

Mein Name ist Moutasm Alyounes. Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Syrien. Seit 15 Monaten lebe ich in Deutschland. Heute möchte ich ein Thema ansprechen, das sowohl die Syrer als auch die Deutschen betrifft.
Viele Deutsche haben Verständnis für den aktuellen Flüchtlingsstrom. Ich möchte unsere Worte aber auch an diejenigen richten, die vor uns Angst haben und sich fürchten. Ich möchte ihnen sagen, dass wir vor dem Tod, Terrorismus, Unterdrückung und Unsicherheit geflüchtet sind. Wir sind nicht aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen gekommen, sondern wurden gezwungen, diesen Weg in dieses neue Leben zu gehen.

Viele von euch und euren Vorfahren haben den Krieg erlebt und wissen, wie schrecklich der Krieg ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie groß das Leid für jemanden ist, dessen Land vor seinen Augen zerstört wurde, und er machtlos zusehen muss und nichts für die Rettung seiner Heimat tun kann.

Vor dem Krieg waren wir mit unserem Leben sehr zufrieden. Zu dieser Zeit hat niemand darüber nachgedacht, Syrien zu verlassen. Der Krieg hat uns dazu gezwungen. Wir mussten fliehen, um wieder ein Leben in Sicherheit führen zu können. Weiterlesen →

27. Dezember 2016
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Schöne Worte #8 – zwischen den Jahren

Als Kind konnte ich eine Weile lang das Wort ZWISCHEN nicht aussprechen. Es klang eher wie Zschwissen. Mittlerweile habe ich dazugelernt. Das Wort klingt jetzt schöner. Weicher. Ohne den zischenden S-Laut. Zischen und zwischen … nur einen Buchstaben voneinander entfernt … Aber egal.

Ich bin froh, dass ich ZWISCHEN mittlerweile aussprechen kann. Denn ohne dieses Wort gäbe es meine aktuell allerliebste Lieblingswortkombination nicht: ZWISCHEN DEN JAHREN.

Früher konnte ich diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nicht leiden. Tage, in denen nichts passierte. Ein Loch, das da klaffte. Ein Nichts. Früher war es bei mir nämlich so: Je leiser und ruhiger es um mich herum war, desto lauter und unruhiger wurde es in mir drin. Weil ich mir immerzu wünschte, dass etwas passierte. Etwas Lautes. Krachendes. Wie ein Silvesterfeuerwerk. Weil ich all die quälenden Fragen um Zukunft, Liebe, das Leben und, schlimmer noch, den Sinn des Lebens am besten ignorieren konnte, wenn es laut war.

Heute liebe ich die Worte ZWISCHEN DEN JAHREN. Von Jahr zu Jahr mehr. Tage, die aus der Zeit gefallen sind. Die weder zum alten, noch zum neuen Jahr wirklich gehören. Tage, die nur mir gehören. In einem Jahr, das voll und bunt und laut ist und von einem vollen, bunten, lauten neuen Jahr abgelöst wird, sind diese aus der Zeit gefallenen Tage mein Ort der Stille und Ruhe.

Deswegen tue ich mittlerweile alles, um sie zu schützen. In diesem Jahr will ich in diesen Tagen meinen zweiten Roman beginnen. Dafür muss der Schreibtisch leer sein. Nur mein Laptop darf da stehen und erwartungsvoll und ungeduldig die Klappe aufreißen. Wie ein Vogeljunges, das gefüttert werden will. Nichts darf in diese Zeit des Wedernoch überlappen. Alles muss erledigt sein. Weiterlesen →

25. Dezember 2016
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Schreibambulanz II. Offene Worte zur Weihnacht.

Die meisten Menschen freuen sich wochenlang darauf. Ich auch. Nichts geht über Weihnachten. Jetzt ist Weihnachten. Und jetzt bin ich traurig. Wie üblich in diesen Tagen. Das vergesse ich aber vorher immer. Vor Weihnachten ist Weihnachten immer Friede, Freude, Eierkuchen. Auch wenn ich vorher natürlich weiß, dass dieses Kindheitsweihnachtsgefühl mit seinem Zauber, von dem wir glauben, dass es das einzige und richtige Weihnachtsgefühl ist, wahrscheinlich nicht mehr in mir aufsteigen wird.

Ich sitze also hier. Der Baum leuchtet. Und ich muss an einen Menschen denken, der nicht mehr da sein kann. Ich hätte ihn aber gerne da. Was mich noch trauriger macht: Ich glaube, er wäre auch gerne dabei, jetzt. Trotzdem mag ich Weihnachten. Es ist bloß anders als früher.

Ich hatte niemals vor, in einem Blog offen über meine Weihnachtstraurigkeit zu schreiben, aber es passiert gerade – und hat einen Grund.

Vor ein paar Tagen: Ich nehme gemeinsam mit CARLs Schreiberin im Altenessener Alleecenter Platz. Schreibambulanz. Weihnachtskarten im Auftrag von Menschen für Menschen schreiben. Ich sitze auf einer Bank an einem Tisch und mir gegenüber fremde Menschen, die mehrere Sachen gemein haben: Ihre Offenheit zum Beispiel. Oder ihr Vertrauen. Offen erzählen sie mir von ihren Gefühlen und den besonderen Verbindungen zu Menschen, die sie in ihr Herz geschlossen haben. Hier passiert gerade etwas nicht ganz Alltägliches, denke ich. Ich meine, da hockt ein wildfremder Typ – CARLs Co-Schreiber – mit einem Lebkuchenherz um den Hals und einem Schnurrbart unter der Nase im Alleecenter und ihm begegnen Menschen, die sich öffnen. So wie K. Weiterlesen →

23. Dezember 2016
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Wortneuschöpfung #2 – GEHEIMSAM

Neulich am Schreibtisch. Ich verfasse einen Artikel über zwei Brüder, die zusammen ein Unternehmen gegründet haben. Und schreibe: „Geheimsam eröffneten sie …“ Ups, vertippt. Schon will ich auf die delete-Taste drücken, da halte ich inne. Geheimsam? Das klingt doch … Irgendwie schön. Und ist es nicht so, dass gemeinsam oft die geheimnisvollsten Dinge entstehen?
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20. Dezember 2016
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Schreibambulanz.
Kann man über so was heute überhaupt schreiben?

Neulich. Genauer: gestern. CARLs Co-Schreiber und ich haben in der Schreibambulanz im Alleecenter in Altenessen Weihnachtskarten für Passanten formuliert. Im Gespräch mit ihnen fanden wir heraus, was auf der Karte stehen sollte. Auf dem Weg nach Hause malte ich mir aus, was ich über diesen schönen Nachmittag hier im Blog schreiben würde. Während ich anfing, das Abendessen vorzubereiten, checkte ich nebenbei die Nachrichten.

Den Rest des Abends saß ich vor dem Fernseher. Mit einem Schlag rückte die Schreibambulanz in den Hintergrund. Ambulanzen der anderen Art, also Rettungswagen, spielten nun die zentrale Rolle. Hilfe beim Weihnachtskartenschreiben schien mit einem Mal nebensächlich. Weiterlesen →

15. Dezember 2016
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Über Satzzeichen #1
Nun mach aber mal einen Punkt.

Nun mach aber mal einen Punkt. Ich mag diese Redewendung.
Weil ich gerne Punkte hinter Sätze mache.
Ein Komma im Satz ist auch okay. Wenn es das Verständnis erhöht. Aber ein Punkt ist so ein klares Zeichen. Ein Ende. Eine Pause.
CARLs Co-Schreiberin dachte neulich übers Innehalten nach. Ich finde, dass ein Punkt der perfekte Moment zum Innehalten ist.
Punkt. Kurze Pause zum Denken. Begreifen. Was auch immer. Weiter.

Nun mach aber mal einen Punkt. Das heißt, dass man es einfach mal gut sein lassen soll. Zum Ende kommen. Aufhören. Ich mag auch Anfänge. Ja. Aber die beginnen auch umso klarer hinter einem Punkt.
Hier zum Beispiel. Weiterlesen →

11. Dezember 2016
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Achtung,
dieser Text enthält Passagen, die empfindsame oder junge Leser schockieren können.

Gestern Abend: Ich sitze auf dem Sofa, will einen Film aus einer Online-Mediathek anschauen und finde bald einen „von Intrigen geprägten Thriller“, in dem es „Mord“, „Liebe“ und „schwarzen Humor“ gibt. Was soll da schiefgehen?

Ich klicke auf „Film starten“.

Auf dem Bildschirm erscheinen weiße Buchstaben auf schwarzem Grund. Sofort klicke ich auf „Weiter“.
Es geht los. Ein Mann und eine Frau fahren mit einem Jeep durch die dunkle Nacht und ich denke: Was war das denn gerade? Der Text. Ich habe ihn nicht mal richtig überflogen, bloß einen Blick drauf geworfen. Einen klitzekleinen Augenblick – bis meine Augen endlich das „Weiter“ fanden. Gerade erst hat Carls Co-Schreiberin auf Schönheit und Wichtigkeit des Wortes Innehalten hingewiesen und ich führe mich auf wie der Lucky Luke des Wild Webs: Klicke schneller auf „Weiter“ als mein Schatten. Weiterlesen →