Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

22. Februar 2017
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Liebevoll – Schreibambulanz zum Valentinstag

Weiche orangefarbene Samttücher auf den Tischen. Kleine Filzherzchen in pink, rosa und rot, die zusammen mit süßen Herzbonbons auf den Tischen verteilt liegen. Und nicht zu vergessen: rote Luftballons.
Inmitten dieser Dekoration im Altenessener Allee-Center sitzen CARLs Schreiberin Sarah Meyer-Dietrich und CARLs Co-Schreiber Tobias Steinfeld. Beide sind mit einem Stift und einem Block bewaffnet. Sie warten auf Leute, die ihren Liebsten eine ganz besondere Freude machen wollen.
Denn es ist der 13. Februar und der Valentinstag steht vor der Tür. Egal ob jung oder alt: Jeder der will, bekommt in der heutigen Schreibambulanz eine Karte geschrieben.

Allein die Dekoration und die Liebe zum Detail hätten mich schon auf die Aktion aufmerksam gemacht. Ich hätte bestimmt Lust bekommen, mir eine Karte schreiben zu lassen. Ich fühle mich sofort herzlich willkommen.

Da bin ich auch nicht die einzige, wie ich schnell bemerke. Besonders Kinder scheinen magnetisch von der Aktion angezogen zu werden. CARLs Schreiberin bestätigt meine Beobachtung: „Die meisten Karten habe ich heute tatsächlich für Kinder geschrieben. Natürlich auch welche für Erwachsene, aber die Zahl der Kinder überwiegt eindeutig.“
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19. Februar 2017
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Einkaufen am Sonntag?

Es war Sonntag und ich war gerade aus Köln am Hauptbahnhof Essen angekommen. Ich war müde und hungrig und wusste, dass zu Hause der Kühlschrank leer war.

Mir war langweilig und ich musste noch eine halbe Stunde auf meine Bahn warten. Da dachte ich mir, bis meine Bahn ankommt, kann ich mir was zum Trinken und Essen bei Lidl kaufen, weil am Sonntag nur Lidl geöffnet hat. Ich ging in den Lidl rein und schaute nach rechts und links, sah aber keinen Warenkorb. Es waren so viele Leute da, so als ob die aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Essen gekommen wären. Ich hatte gedacht, am Sonntag blieben alle zu Hause, weil da alles zu ist. Ganz im Gegenteil!

Tja, was jetzt? Ach egal. Ich nahm einen leeren Karton, damit ich darin die Sachen bis zur Kasse tragen konnte. Ja, was brauchte ich denn alles? Brot oder Toast esse ich am meisten. Aber leider gab es kein Brot und keinen Toast mehr. Oh nein! Was sollte ich heute Abend kochen?
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16. Februar 2017
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Schöne Worte #10 – schulhofkorrekt

Letzte Woche: In einem Workshop lege ich Jugendlichen eine Liste mit Eigenschaften vor. Da stehen Wörter drauf wie zum Beispiel gelassen, aufbrausend, diplomatisch, neugierig, extravagant oder korrekt.
Sie diskutieren leise darüber, was das ein oder andere Wort genau bedeuten soll und ich höre, wie ein Junge zu seinem Sitznachbarn sagt: „Leo ist zum Beispiel korrekt. Und du bist auf jeden Fall auch korrekt!“
„Ah“, sagt der Sitznachbar, bedankt sich dann und gibt die Blumen zurück: „Ich find‘ dich auch voll korrekt.“
„Danke!“
Ich frage in die Runde: „Was bedeutet eigentlich korrekt?“ Weiterlesen →

27. Januar 2017
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Zuverlässig – die Schreibambulanz in der Gruga

Letztes Wochenende besuchten wir im Auftrag von CARL mit der Schreibambulanz die Eröffnung der Grünen Hauptstadt Essen. Unsere Mission: Grüße aus dem Grugapark in die Welt verschicken. Handgeschrieben. Auf Postkarten. Alte Schule.

Auf dem Hinweg bleibt mein Blick an einem Bulli hängen, der mit den Worten beschriftet ist: „Essen – Zuverlässigkeit hat einen Namen.“ Aha, denke ich.
Wir warten in unserer Hütte (mit Heizstrahler), die schwer nach Weihnachtsmarkt aussieht, auf potentielle Schreiberinnen und Schreiber. Als CARLs Co-Schreiber ist es meine Aufgabe, Menschen beim Schreiben zu unterstützen und Postkarten von Menschen für Menschen zu schreiben. CARLs Bernd warnt mich – mit all seiner Erfahrung – vor: „Wahrscheinlich müssen wir kaum selbst schreiben, sondern die Leute hauptsächlich animieren, mitzumachen.“
Er hat recht: Die Menschen schieben sich an unserer Hütte vorbei. „Bei uns können Sie Postkarten schreiben! Und wir verschicken sie!“ Viele bleiben stehen, sind interessiert, stellen Fragen. Wir kommen ins Gespräch. Die ersten Karten werden geschrieben. CARLs Bernds Einschätzung war zuverlässig, denke ich und, in Anlehung an den Spruch auf dem Bulli: „CARLs Bernd: Zuverlässigkeit hat einen Namen.“ Weiterlesen →

24. Januar 2017
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„Sind Sie Flüchtling?“ – meine Wohnungssuche

Ich war auf der Suche nach eine Mietwohnung. Ich suchte in der Zeitung nach einem passenden Angebot und rief eine Nummer an. Eine Frau meldete sich.
Ich: „Ich rufe an wegen der Wohnungsanzeige.“
Die Frau: „Woher kommen Sie?“
Ich: „Ich komme aus Syrien.“
Die Frau: „Bist du gläubig oder ungläubig? Bist du Christ oder Moslem? Bist du Araber oder Kurde?“
Ich: „Ist das so wichtig?“
Die Frau: „Naja, ich hatte schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen. Ich melde mich später.“
Die Frau meldete sich nicht und das wunderte mich nicht.

Der zweite Versuch: Ein Mann war dran.
Ich: „Ich rufe an wegen der Wohnungsanzeige.“
Der Mann: „Sind Sie Flüchtling?“
Ich: „Ja.“
Der Mann: „Es tut mir leid. Ich vergebe keine Wohnungen an Flüchtlinge.“
Dann legte er auf. Schade. Wir hätten uns in einem persönlichen Gespräch kennenlernen können. Vielleicht hätten sie gute Erfahrungen mit einem Flüchtling als Mieter machen können. Nämlich mit mir ;-).

Moutasm Alyounes

18. Januar 2017
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Schöne Worte #9 – Doppelback, Zartissa, BoHim

Heute berichte ich von den Händlern, die mich und meine Familie während meiner Kindheit besuchten. Ihre Besuche waren wie kleine Schauspiele. Die Händler traten auf und traten wieder ab. Wie auf einer Bühne. Und alles an ihnen sprach zu mir: Ihre Worte. Ihre Handlungen. Ihre Waren.
Dienstags kam der Bäcker, mittwochs der Eiermann und freitags der Obstmann. Der Bofrostfahrer kam alle paar Wochen. Genau wie die Hakafrau. Aber ich wusste nie, wann.
Von niemandem kannten wir den Namen. Der Eiermann hieß Eiermann. Der Obstmann hieß Obstmann. Doch der Bäcker hieß nicht Brotmann. Der Obstmann hätte auch Gemüsemann heißen können. Hieß er aber nicht. Der Bofrostfahrer hieß nicht Bofrostmann. Auch die Hakafrau kannten wir nicht beim Namen. Obwohl sie stets ihre Visitenkarten daließ. Später habe ich erfahren, dass die Hakafrau in der Familie eines Freundes nicht Hakafrau, sondern Hakawischwaschfrau hieß. Weiterlesen →

13. Januar 2017
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Warm durch die Nacht

Jeden Samstag und Dienstag verteilen die Helferinnen und Helfer der Aktion „Essen packt an“ warme Suppen an die Obdachlosen in der Essener Innenstadt. Organisiert wird die Aktion über Austausch mit Bekannten und das Social Network. Viele Obdachlose nehmen die Suppe dankbar an. Die freiwilligen Helfer möchten den Obdachlosen eine kleine Freude bereiten und sie wenigstens ein bisschen warm durch die Nacht bringen. Mit einem Rollwagen voll Suppe soll ein wenig Wärme an die Menschen verteilt werden. „Essen packt an“ freut sich immer über freiwillige Helferinnen und Helfer! Treffpunkt ist dienstags und samstags um 18 Uhr an der WiederbrauchBAR, Weberstraße.
Moutasm Alyounes

7. Januar 2017
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Verwirrende Worte #1: Vorsatz

Was ist ein Satz?
Laut Duden eine „aus mehreren Wörtern bestehende (…) sprachliche Einheit.“
Was ist ein Vorsatz?
Laut deutscher Rechtsprechung das „Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“.
Und was ist ein guter Vorsatz?
Laut Plakat an der Bushaltestelle der Wille zum Abnehmen.

Vor-Satz. Komisches Wort. War der Vorsatz schon vorher da? Vor dem Anfang? Vor dem Wort? Aber kann er nicht eigentlich erst nach dem Wort kommen?

Als Autorin sehen meine guten Vorsätze für dieses noch junge Jahr natürlich so aus:
– schöne neue Worte finden
– ein Buch schreiben (oder zwei?)
– andere zum Lesen und Schreiben motivieren Weiterlesen →

30. Dezember 2016
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Ein offenes Wort #1:
Weil vielen jetzt der Arsch auf Grundeis geht

Mein Name ist Moutasm Alyounes. Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Syrien. Seit 15 Monaten lebe ich in Deutschland. Heute möchte ich ein Thema ansprechen, das sowohl die Syrer als auch die Deutschen betrifft.
Viele Deutsche haben Verständnis für den aktuellen Flüchtlingsstrom. Ich möchte unsere Worte aber auch an diejenigen richten, die vor uns Angst haben und sich fürchten. Ich möchte ihnen sagen, dass wir vor dem Tod, Terrorismus, Unterdrückung und Unsicherheit geflüchtet sind. Wir sind nicht aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen gekommen, sondern wurden gezwungen, diesen Weg in dieses neue Leben zu gehen.

Viele von euch und euren Vorfahren haben den Krieg erlebt und wissen, wie schrecklich der Krieg ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie groß das Leid für jemanden ist, dessen Land vor seinen Augen zerstört wurde, und er machtlos zusehen muss und nichts für die Rettung seiner Heimat tun kann.

Vor dem Krieg waren wir mit unserem Leben sehr zufrieden. Zu dieser Zeit hat niemand darüber nachgedacht, Syrien zu verlassen. Der Krieg hat uns dazu gezwungen. Wir mussten fliehen, um wieder ein Leben in Sicherheit führen zu können. Weiterlesen →

27. Dezember 2016
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Schöne Worte #8 – zwischen den Jahren

Als Kind konnte ich eine Weile lang das Wort ZWISCHEN nicht aussprechen. Es klang eher wie Zschwissen. Mittlerweile habe ich dazugelernt. Das Wort klingt jetzt schöner. Weicher. Ohne den zischenden S-Laut. Zischen und zwischen … nur einen Buchstaben voneinander entfernt … Aber egal.

Ich bin froh, dass ich ZWISCHEN mittlerweile aussprechen kann. Denn ohne dieses Wort gäbe es meine aktuell allerliebste Lieblingswortkombination nicht: ZWISCHEN DEN JAHREN.

Früher konnte ich diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nicht leiden. Tage, in denen nichts passierte. Ein Loch, das da klaffte. Ein Nichts. Früher war es bei mir nämlich so: Je leiser und ruhiger es um mich herum war, desto lauter und unruhiger wurde es in mir drin. Weil ich mir immerzu wünschte, dass etwas passierte. Etwas Lautes. Krachendes. Wie ein Silvesterfeuerwerk. Weil ich all die quälenden Fragen um Zukunft, Liebe, das Leben und, schlimmer noch, den Sinn des Lebens am besten ignorieren konnte, wenn es laut war.

Heute liebe ich die Worte ZWISCHEN DEN JAHREN. Von Jahr zu Jahr mehr. Tage, die aus der Zeit gefallen sind. Die weder zum alten, noch zum neuen Jahr wirklich gehören. Tage, die nur mir gehören. In einem Jahr, das voll und bunt und laut ist und von einem vollen, bunten, lauten neuen Jahr abgelöst wird, sind diese aus der Zeit gefallenen Tage mein Ort der Stille und Ruhe.

Deswegen tue ich mittlerweile alles, um sie zu schützen. In diesem Jahr will ich in diesen Tagen meinen zweiten Roman beginnen. Dafür muss der Schreibtisch leer sein. Nur mein Laptop darf da stehen und erwartungsvoll und ungeduldig die Klappe aufreißen. Wie ein Vogeljunges, das gefüttert werden will. Nichts darf in diese Zeit des Wedernoch überlappen. Alles muss erledigt sein. Weiterlesen →