Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Abschiedsstimmung

Wichtige Worte #11 Stimmung. Ein Abschied?

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Vor ein paar Wochen passierte es. Das, was mir als Autorin eigentlich nicht passieren darf. Mir blieb die Stimme weg. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zu viele Lesungen? Zu viele Workshops geleitet? Oder einfach die Folge einer Erkältung? Egal, mehr als ein Krächzen blieb nicht übrig, und das war höchst unangenehm.
Vor allem, weil ich feststellen musste, wie der Verlust der Stimme mit einer Abwärtsbewegung der Stimmung einherging. Mein getrübter Gemütszustand wiederum hatte Auswirkungen auf mein Schreiben. Ich kam einfach nicht in die richtige Stimmung. Die Worte wollten nicht sprudeln. Die Fantasie war gelähmt.

Jetzt geht es meiner Stimme wieder gut, aber schon kündigt sich etwas anderes an: die Abschiedsstimmung. Drei Jahre des Projekts „Im Anfang war das Wort“ auf der Zeche Carl gehen zu Ende. Ich war nicht von Anfang an dabei, aber doch seit über anderthalb Jahren. Da durfte ich als Carls Co-Schreiberin meine Stimme auf diesem Blog der Zeche Carl erheben. Durfte mit Carls Schreiberin Sarah Meyer-Dietrich und Carls Co-Schreiber Tobias Steinfeld als Redaktions-Leiterin die Stimmen der Jungen Wortklauber einfangen. Durfte bei den Schreibambulanzen anderen helfen, ihre Stimme in Worte zu fassen. Heute schreibe ich – vorerst – meinen letzten Beitrag. In Abschiedsstimmung. Einer, wie der Duden erklärt „von einem bevorstehenden Abschied geprägten, meist wehmütigen Stimmung“.

Dass Stimme und Stimmung so ähnlich klingen, ist kein Zufall. Unsere Stimme verrät viel über unsere Stimmung. Den meisten Menschen können wir – wenn wir genau hinhören – die Stimmung aus der Stimme ablesen oder besser abhören. Die Tonhöhe, die Klarheit der Töne, die Geschwindigkeit, mit der wir sprechen – alles Indizien für unsere Stimmung.

Woher der Begriff „Stimme“ eigentlich stammt, ist allerdings gar nicht klar. In meinem Herkunftslexikon wird vermutet, dass er eventuell vom griechischen „stóma“ für Mund abstammt. Gebildet wird unsere Stimme aber nicht im Mund, sondern eher im Hals, nämlich – so erklärt bei Wikipedia – durch ein Zusammenwirken der Stimmlippen im Kehlkopf und seinen Ansatzräumen. Beeinträchtigt werden kann die Stimme durch Entzündungen, Überanstrengung, Lähmungen und diverse Krankheiten. Und wenn der Hals auch nur im übertragenen Sinn zugeschnürt ist, kommt oft nur ein Krächzen heraus (vermutlich gilt deshalb der Rabe mit seiner unmelodiösen Stimme auch als Sinnbild für das Unglück).

Zugeschnürt ist der Hals auch dann, wenn wir Abschied nehmen müssen. Die meisten Abschiede sind eine traurige Sache. Obwohl uns der chinesische Philosoph Konfuzius ermahnt: „Leuchtende Tage. Nicht weinen, dass sie vorüber. Lächeln, dass sie gewesen.“ Er mag recht haben. Trotzdem ist es nicht leicht, seinem Ausspruch zu folgen.

Vielleicht klappt es besser mit einem Zitat des spanischen Philosophen Miguel de Unamuno y Yugo: „In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.“ Das gibt Hoffnung. Das lässt die Stimmung steigen. Ich räuspere mich und sage nicht „Lebewohl!“, sondern „Auf Wiedersehen, auf Wiederhören!“ zur Zeche Carl. Sie bleibt in meinem Herzen. Genau wie die Jungen Wortklauber, deren Schaffen ich weiter verfolgen werde. Und wer weiß? Vielleicht lesen wir uns hier oder an ähnlicher Stelle doch irgendwann wieder. Denn die Zeche Carl will weiter das Wort fördern. Weil es wichtig ist. Weil es ein Anfang ist. Dem stimme ich zu.
Aufbruchstimmung. Auch ein stimmungsvolles Wort.

Wir lesen uns!
Eure und Carls Co-Schreiberin
Anja Kiel

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