Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Das Pendel meines Lebens: Von Bochum nach Düsseldorf und wieder zurück

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Bochum Hauptbahnhof. Wattenscheid Bahnhof. Essen Hauptbahnhof. Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof. Duisburg Hauptbahnhof. Düsseldorf Flughafen. Düsseldorf Hauptbahnhof. Und jetzt lest das Ganze noch mal umgekehrt. Nur ein paar Wörter, die bei mir täglich fast drei Stunden meines Alltages ausmachen. Bei dieser Menge an Zeit habe ich irgendwann den Kompromiss geschlossen, dass ich nie bloß eine Veranstaltungen am Tag belege, sondern mindestens zwei, damit sich der Weg zur Uni Düsseldorf auch lohnt.
Doch die Reise hört hier nicht auf: Aus hobby- und jobtechnischen Gründen besuche ich regelmäßig noch diverse andere Städte wie Köln, Herne oder Hamm. Ein Satz, der wirklich sehr oft fällt, wenn ich mit Menschen über meinen Alltag rede ist: Du bist ja echt viel unterwegs! Das Zauberwort lautet Pendeln. Ganz einfach betrachtet ist Pendeln die regelmäßige An- und Abreise auf derselben Strecke, die sich meistens über mehrere Städte ereignet, um z.B. zum Arbeitsplatz oder, wie in meinem Fall, zur Universität zu kommen.

Die Bedeutung des Wortes Pendeln in diesem Zusammenhang wurde mir erst recht spät geläufig. Vorher habe ich Pendeln immer mit diesen an einer Kette hängenden Metallkugeln assoziiert, die von links nach rechts schwingen. Und wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der ich von diesen Pendeln fasziniert war, so macht der Zusammenhang für mich durchaus Sinn. Das Pendel schwenkt von links nach rechts und dann von rechts nach links. Ersetzen wir nun links und rechts durch Bochum und Düsseldorf, so passt es perfekt zu meiner Situation. Lässt sich mein ganzes Leben also als ein Hin und Her definieren? Klingt nicht wirklich spannend. Aber was, wenn man Pendeln als Abenteuer begreift? Als die Art von Reisen, die wir aus vielen Märchen kennen. In denen der Held kämpfen muss, um sein Ziel zu erreichen. Parallelen gibt es: Auch für mich ist es stets ein langer, mühseliger Weg, bis ich endlich an meinem Ziel ankomme. Statt Drachen, Feen oder Trollen habe ich es beim Pendeln allerdings eher mit Verspätungen, genervten Mitfahrern oder immer denselben Obdachlosen, die nach ein bisschen Kleingeld fragen, zu tun.
Neben den Mühen hat das Pendeln für mich aber auch Positives.
Ich nutze die Zeit im Zug zum Lesen des Unistoffes.
Ohne das Pendeln wäre ich in dem ein oder anderen Seminar bestimmt öfter mal aufgeschmissen gewesen. Die Zeit ist die selbe nur der Ort ändert sich beim Pendeln. Und wenn ich um sieben Uhr morgens in Köln oder Düsseldorf sein muss, mache ich das, was ich zu Hause noch am liebsten tun würde eben im Zug: Ich schlafe! Wenn ich nichts zu tun habe, höre ich Musik, wie ich zu Hause Musik hören würde. Ich esse mein Mittagessen im Zug, wie ich es zu Hause essen würde. So lange ich nicht einen Fernseher oder meinen Computer mitschleppen muss, lassen sich alle möglichen Tätigkeiten auf den Zug übertragen. Je nach Zug klappt es allerdings unterschiedlich gut. Der RE ist schnell, allerdings vom Komfort her oft mit einem Schlachttransporter zu vergleichen. Manchmal habe ich das Gefühl, hier besiegt gleich eher ein Prinz einen Drachen, als dass man einen guten Sitzplatz erwischt. Die S-Bahn ist zwar meistens schön leer, allerdings geht hier die Reise um einiges langsamer. Dann sind da noch IC und ICE: Wenn ich im Besitz eines echten Goldschatzes wäre, bestimmt ideal! Doch im Klischeebild des Studenten zu teurer Luxus. Aber wer weiß? Vielleicht finde ich ja noch einen Goldschatz auf einer meiner nächsten Pendlerreisen.
Dustin Heye

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