Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Lästige Worte #3: Sorgen

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Neulich bekam ich eine Reklamemail. Ich solle dafür sorgen, dass Fläschchen und Spielsachen meiner Kinder mit Namensaufklebern markiert sind, damit im Kindergarten nichts mehr verloren geht. Meine Kinder gehen nicht mehr in den Kindergarten. Aber natürlich will ich so gut wie möglich für meine Lieben sorgen. Leider ist es mit ein paar Aufklebern nicht getan. Und leider wäre ein verlorener Gebrauchsgegenstand noch meine geringste Sorge.

Die Sorgen, die ich mir mache, sind trotzdem meistens überschaubar. Doch immer wieder mal, gerne abends, blähen sie sich auf. Lassen mich nicht schlafen. Meißeln mir Sorgenfalten ins Gesicht. Oft sind es ungelegte Eier, über die ich mir Sorgen mache. Dann denke ich, dass es kein Zufall sein kann, dass sich „Sorgen“ auf „morgen“ reimt (nicht nur im Deutschen übrigens, im Englischen reimt sich ebenfalls sorrow – „Trauer“, „Sorge“, „Gram“ auf tomorrow). Das erfreut die Dichter. Mich allerdings weniger, denn das Schlafen kann ich komplett abhaken, wenn die Sorge der im Duden beschriebenen ersten Grundbedeutung entspricht, nämlich „Unruhe, Angst, quälender Gedanke“.

Dabei gibt es noch eine weitere Bedeutung, nämlich die der „Bemühung um Abhilfe“. Kinder haben ein Recht auf die Fürsorge ihrer Eltern. Als Eltern sorgen wir beispielsweise dafür, dass unsere Kinder keinen Mangel an Nahrung, Schlaf, Kleidung, Zuneigung leiden.
Dann wird die Sorge aktiv. Wir werden aktiv. Dann geht es um Sorgfalt, und die ist eine Tugend.

Manche Sorgen können wir nicht allein vertreiben mit einem Aufkleber, mit einem leckeren Essen, mit einer Kuscheleinheit. Dann brauchen wir Profis, die uns die Sorgen abnehmen. Die uns das Dach neu decken, unsere Finanzen regeln, unseren Kindern das Schwimmen beibringen. Manchmal können jedoch auch die eigentlich banalen Sorgen Rücken- und Bauchschmerzen verursachen und das nicht nur im übertragenen Sinn. Sorgen können uns regelrecht lähmen.*

Ein lässiges „Mach dir keine Sorgen!“ reicht da meistens nicht. Doch oft hilft es, darüber zu reden. Oder zumindest die Sorgen niederzuschreiben, sie in Worte zu fassen, auf Papier zu bannen. Dann besorgen wir uns einen Sorgenfresser und setzen ihm die Sorgen als Mahlzeit vor. Sollte dessen Reißverschlussmund mal kaputtgehen, können wir notfalls noch einen Namensaufkleber draufkleistern.
Der sorgt dafür, dass die Sorgen die Klappe halten. Damit wir tagsüber unsere Leben leben können und nachts genug Schlaf bekommen.

Passt gut auf euch auf!

Eure Carls Co-Schreiberin
Anja Kiel

*In diesem Text spreche ich ausdrücklich nicht über generalisierte Angststörungen und Depressionen, die unbedingt therapeutisch behandelt werden sollten.

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