Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Wo geht es lang?

Wichtige Worte #7: wollen

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Als ich frisch mein Abitur bestanden hatte, hat mir jemand gesagt: „Jetzt kannst du alles machen, was du willst!“ Und wird uns nicht sogar von klein auf vermittelt, dass wir alles machen können, was wir wollen, wenn wir nur an uns glauben? Ein sehr schöner Gedanke. Schließlich sollte jeder Mensch den Weg in seinem Leben gehen, den er gehen möchte, oder? Aber können wir wirklich machen, was wir wollen? Und was wollen wir wirklich?

Als ich etwa 16 Jahre alt war, hatte ich noch keine Ahnung davon, wie viele unterschiedliche Berufe es gibt. Und dass es welche gibt, die einem sogar Spaß machen können. Mein damaliges Ziel: Hauptsache, Geld verdienen!
Nach diversen Eignungstests wurde mir gesagt, dass die kaufmännische Branche für mich geeignet wäre. Es folgten ein paar hundert Bewerbungen in einer Zeitspanne von etwa fünf Jahren. Das Ergebnis? Absage um Absage. Denn trotz positiver Rückmeldungen nach Assessment-Centers und Vorstellungsgesprächen habe ich es nie über die berühmte Top 3 geschafft.
Ich erstellte einen Plan B und zog ein Studium in Erwägung. Nun hatte ich schon eine deutlichere Vorstellung, was ich machen könnte. Kreatives Schreiben reizte mich, doch ich fürchtete, damit kein Geld verdienen zu können. Ein Studium der Psychologie erledigte sich wegen des Numerus Clausus. Von einem Informatikstudium wurde mir wegen mangelnder Mathematik-Kenntnisse abgeraten.
Als Kompromiss besuchte ich die einjährige Höhere Handelsschule. Eher zur Überbrückung als aus wirklichem Interesse.

Mir wurde zweierlei klar: Wirtschaft ist nichts für mich. Dafür interessieren mich kreative Berufe, die vielleicht etwas mit Medien zu tun haben, umso mehr.
Ich studiere jetzt Medien- und Kulturwissenschaft. Das Lustige ist, dass ich auch hier einen Umweg über die Anglistik gegangen bin. Aber ich fühle mich wohler als je in meinem Leben zuvor. Ich nehme an vielen tollen Projekten und Veranstaltungen teil, die mir helfen, mich weiterzuentwickeln. Die mir Zukunftsperspektiven aufzeigen, die mir gefallen. Und ich bin jetzt sogar schon in der Lage, Geld mit Dingen zu verdienen, die mich begeistern.

Wenn ich nun zurückblicke, so glaube ich, dass das Schicksal, Gott, Karma oder welche Kraft auch immer mich einfach nur davon abhalten wollte, einen Pfad einzuschlagen, der nicht für mich bestimmt war. Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich nicht die Fehlschläge, sondern eine lange Reise. Was habe ich auf der Reise gelernt? Egal wie lange man sucht, wenn man wirklich mit Herz bei der Sache ist, findet man am Ende den richtigen Weg. Hinfallen ist vollkommen normal und beweist, dass du es probiert hast. Und manchmal sind es gerade die Umwege, die einem zeigen, wie das wirkliche Ziel anvisiert und erreicht werden kann. Die einem zeigen, was man wirklich will.

Dustin Heye

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