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Erinnerungen an den Sommer – und warum Ferien nicht gleich Ferien sind

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„In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt“, hat der Philosoph und Autor Albert Camus mal gesagt.
Noch ist der Winter nicht da, obwohl die Temperaturen schon an ihn erinnern. Liegt in mir auch ein unbesiegbarer Sommer? Und wie sieht der eigentlich aus?

Als ich noch Schüler war, bestand ein schöner Sommer vor allem aus den Sommerferien. Und Sommerferien bedeuteten: ausschlafen, lange draußen mit Freunden spielen, tolle Urlaube, lange wach bleiben, möglichst wenig tun, was auch sich auch nur im entferntesten mit dem Begriff Schule verbinden lässt.

Seit ich mein Studium angefangen habe, hat sich meine Definition von Ferien allerdings um einiges geändert. Offiziell sind es ja auch nicht mehr die Semesterferien, sondern die vorlesungsfreie Zeit. Natürlich ist es je nach Student unterschiedlich, was man aus der Zeit, in der keine Vorlesungen stattfinden, macht.

Für mich war der Unterschied Sommerferienvorlesungsfreie Zeit nicht ohne.
Ich bin Student einer Geisteswissenschaft, wo mangelnde Berufserfahrungen, Praktika und Engagement eher darin enden können, dass du nach dem Studium deine Vormittage vor dem Arbeitsamt verbringen wirst, statt mit einem seriösen Job.

Meine letzten Semesterferien gingen von Ende Juli bis Mitte Oktober. Und die sahen folgendermaßen aus:
Ich schrieb zwei Hausarbeiten, die jeweils etwa 20 Seiten lang waren. Ich arbeitete zehn Stunden pro Woche als Social Media Editor für ein Medienunternehmen. Ich nahm an einem Filmkritikerworkshop teil und schrieb darüber einen Bericht. Außerdem habe ich für diverse Tests und Beteiligungsnachweise gelernt, mich für Praktika beworben, die ersten Einführungswochen beim Hochschulradio Düsseldorf absolviert. Nebenbei hatte ich noch ein paar Drehtage für diverse Projekte, wie dem Tatort Köln, habe für eine Theateraufführung geprobt und selber diverse Geschichten und Drehbücher weitergeschrieben.
Ein Wunder, dass trotzdem ein zweiwöchiger Griechenlandurlaub und ein paar Treffen mit Freunden möglich waren.

Schlimm finde ich das aber nicht. Erstens tut es dem Gewissen gut, nicht die ganze Zeit auf der faulen Haut zu liegen, während die Menschen um einen herum sich abschuften. Zweitens sehe ich es schon als wichtig an, dass man als Student in den Semesterferien ein bisschen daraufhin arbeitet, sein Ziel zu erreichen.
Als Student hat man nun mal einen gewissen Grad an Selbstverantwortung, weswegen es an dir liegt, ob du Semesterferien hast oder lediglich eine vorlesungsfreie Zeit. Im Grunde können sich Semesterferien und Sommerferien ganz stark unterscheiden, müssen sie aber nicht. Man kann in beiden Zeiten ein fauler Hund sein, eine fleißige Biene sein, oder sich vom Hund zur Biene oder von der Biene zum Hund verwandeln. Ich bin auf jeden Fall lieber die Biene. Und denke jetzt in der kalten Jahreszeit gern an meine Erlebnisse des Sommers zurück. Genau wie Albert Camus.

Dustin Heye

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