Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin
Peace-Zeichen

Wichtige Worte #5 und #6: Freiheit und Frieden

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Samstag 23.09.2017,
13:20 Uhr,
Porschekanzel. Essen.

Es scheint dort etwas los zu sein.
Ich sehe manche Leute, die sitzen und viele andere, die herumstehen.
Es wird Kuchen und Kaffee angeboten.
Einen Kaffee hole ich mir gerne. Ich stelle mich in die Nähe und fange an, mir die Schilder und Plakate anzugucken.
„MLPD“ steht überall drauf.
Eine politische Kleinpartei.
Ich kenne die Partei zwar, und ich weiß, dass es eine linksradikale deutsche Partei ist, die auch im Ausland aktiv ist. Aber viel mehr weiß ich nicht über sie.

Ein Redner wird vorgestellt: Cemil Gültekin ist ein kurdischer Rentner aus Essen, der von einer türkischen Justiz vors Essener Gericht geladen worden ist mit dem Vorwurf „Beihilfe zur Unterstützung einer Terrororganisation“.
Er nimmt das Mikrofon in die Hand und fängt an zu reden.
Auf türkisch.
Eine Frau übersetzt:

„Unser Land Kurdistan wurde vor vielen Jahren in vier Teile geteilt. Und jeder Teil gehört zu einem anderen Land mit einer anderen diktatorischen Regierung.
Danach waren die Kurden in der Geschichte immer in einem Krieg und sind umgebracht worden.
Saddam im Irak,
Assad in Syrien,
Khamenei im Iran,
Erdogan in der Türkei und viele andere waren und sind gegen die Kurden und kämpfen gegen sie …“

Die Kurden haben alle Arten des Sterbens erlebt.
Sie sind auf dem Fluchtweg ertrunken.
Sie sind lebendig begraben worden.
Im Feuer verbrannt worden.
Sie haben gegen große Waffen und chemische Bomben gekämpft.
Aber sie sind nie vor Angst gestorben.

Gültekin erzählt von einem Mädchen aus der HDP (die Linke Partei in der Türkei), das in der Türkei im Knast ist und dessen Mutter vor ungefähr zehn Tagen gestorben ist.
Das Mädchen durfte weder an der Bestattung ihrer Mutter, noch an deren Totenfeier teilnehmen.
Der einzige Grund ist, dass sie eine Kurdin ist und für die Freiheit kämpft.

Das reicht mir, um in Gedanken zu versinken.
Ich bin auch ein kurdisches Mädchen.
Ich kenne das auch,
wenn man keine richtige Heimat hat,
wenn man zwei Nationalitäten angehört,
wenn man damit klarkommen muss, dass man keine Heimat haben darf.

Aber als Kurde kannst du die Freiheit nicht einfach erreichen.
Du musst dafür kämpfen.
Was ist denn diese Freiheit, die du nicht leicht erreichen kannst?
Heißt Freiheit, nicht unterdrückt oder gefangen zu sein?
Heißt Freiheit, ohne Zwang zwischen zwei unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen zu können?

Für mich ist Freiheit und Frieden, wenn ich ein Formular ausfülle, in dem ich nicht nach meiner Nationalität gefragt werde.

Freiheit.
Frieden.
Werden die beiden nur zwei Worthülsen bleiben?
Oder wird die Welt mal ihre richtige Bedeutung erleben?

Und ich wünsche mir: „Hoch die internationale Solidarität!“

Helen Pourmadani

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