Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Wichtige Worte #1b: eine Meinung zum Thema Meinung

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CARLs Co-Schreiberin Anja Kiel hat zum Thema Meinung geschrieben. Und ich will gleich meinen Senf dazu geben. SENF = (lt. Duden online) „aus gemahlenen Senfkörnern mit Essig und Gewürzen hergestellte gelbbraune, breiige, würzig bis scharf schmeckende Masse.“

Hier aber gemeint als: SYNONYM für MEINUNG.

Ich hab früher dauernd zu allem meinen Senf dazu gegeben.
Behauptete jedenfalls eine ehemalige Kollegin. Nennen wir sie M.
M. war immerhin der MEINUNG, dass es ziemlich guter Senf war, den ich dazu gab.
Das wiederum wirft die Frage auf: Gibt es das überhaupt? Gute und schlechte Meinungen? Oder ist das wie mit dem Senf? Ich mag lieber schön scharfen Dijon-Senf als süßen Senf (nicht metaphorisch, sondern ganz prosaisch gemeint). Ich kenne aber Menschen, die sehen das anders.

 

MEINungen

Ich gebe immer noch oft meinen Senf ab. Aber ich merke auch, dass ich mich manchmal scheue. Den Senf in der Tube lasse sozusagen. Gar nicht mal, weil ich nicht Gesicht zeigen will zur Meinung. Sondern weil ich es manchmal gar nicht wage, mir eine Meinung zu bilden. Weil ich bei manchen Themen denke, dass ich nur mit 10 Tageszeitungen im Abo, die ich wirklich auch täglich lesen müsste, denke, genug Background-Wissen für eine passende Meinung zu haben.

Vielleicht ist das Wichtigste, was man über eine Meinungsäußerung sagen kann, wichtiger als alles Background-Wissen der Welt, dass sie mit einer Ich-Botschaft beginnen muss.

Ich finde, ich denke, ich meine, ich glaube …

Denn auch wenn ich weiß, dass es etymologisch gesehen Unsinn ist, FINDE ICH, dass es doch kein Zufall sein kann, dass die Meinung MEINung heißt. Dass eine Meinung eben MEINen speziellen Blick auf die Welt meint.

CARLs Co-Schreiberin schreibt also über Meinungen und ich gebe meinen Senf dazu. Weil ICH FINDE, dass CARLs Co-Schreiberin recht hat. Weil ICH auch MEINE, dass Meinung ein wichtiges Wort ist. Weil ich CARLs Co-Schreiberin zustimme, dass es womöglich noch wichtiger werden wird nach dieser Wahl.
Eine Wahl, zu der ich durchaus eine Meinung habe. Auch ohne 10 Tageszeitungen im Abo.
Eine Wahl, zu der eigentlich alle eine Meinung haben, habe ich das Gefühl.
Eine Wahl, die mir Angst macht und mich alarmiert.

 

Alle haben eine Meinung

Ich habe eine Meinung.
Und du hast eine Meinung.
Und er und sie und ihr und wir haben dazu Meinungen.
Überall diese Meinungen. Wenn es aber fremde Meinungen sind, sind es denn dann überhaupt Meinungen? Oder sind es nicht Deinungen? Seinungen? Ihrungen? Eurungen?

ICH MEINE wirklich, dass es nach dieser Wahl wichtiger denn je ist, über Meinung nachzudenken. Nicht nur über die eigene Meinung dazu, dass es eine gewisse Partei mit drei Buchstaben (haha) in den Bundestag geschafft hat. Sondern auch darüber, warum sie es geschafft hat.
Nämlich auch deshalb, weil unsere großen Volksparteien zu lange bloß auf ihren vier (Pardon, drei!) Buchstaben gesessen haben. Weil sie Meinungen einer offenbar nicht unerheblich großen Wählerschaft nicht ernst genommen haben.

ICH MEINE aber, dass sie als Volksvertreter die Pflicht haben, jede Meinung ernst zu nehmen. Eine Meinung ernst nehmen, heißt ja nicht, bedingungslos zuzustimmen. Es heißt vielmehr: Sie sich anzuhören. Sich damit auseinanderzusetzen. Sich zu fragen, woher die Meinung kommt. Wie sie entstanden ist. Und: Wie man mit ihr umgehen kann.
Denn diese Meinungen sind da. Sie gehen nicht weg davon, dass man sie ignoriert und in die rechte Ecke stellt. Die Ergebnisse der Bundstagswahl zeigen es.
Das zumindest ist meine Meinung.

Eure CARLs Schreiberin
Sarah Meyer-Dietrich

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