Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Schöne Worte #11 – Edelhelfer

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In meinem Text Abgestrampelt bedanke ich mich herzlich bei meinem Edelhelfer für seine treuen Dienste während unserer Radreise. Mein Edelhelfer war stolz und dankbar. Andere wussten mit dem Begriff nichts anzufangen. Was also ist ein Edelhelfer?
Wenn ich über das Wort edel nachdenke, schießen mir einige Begriffe in den Kopf: Edelstein zum Beispiel oder Edelmetall, Edelweiß und Edelmann, edler Ritter und edle Dame. Was sie gemeinsam haben? Sie beschreiben etwas Hochwertiges, etwas, das von besonderer Reinheit ist, vielleicht auch besonders schön oder stolz, besonders nobel oder vornehm. Was edel ist, erscheint zunächst immer in irgendeiner Form besonders. Manchmal auch besonders mies.
Ich erinnere mich an Folgendes: Ich war Schüler. Es waren Ferien. Ein paar Freunde und ich beschlossen, zum Zelten nach Norderney zu fahren. (Mein Edelhelfer war damals schon an meiner Seite, wenn auch noch nicht als mein Edelhelfer.) Wir kauften für unseren Trip ein und wählten aus der breiten Produktpalette im Supermarkt jeweils das billigste Produkt. Erstaunlicherweise hieß das Bier „Edelpils“, obwohl es Ekelpils war und wo „Edelsalami“ draufstand, war wahrscheinlich eher Eselsalami drin.
Ein Edelhelfer ist aber nicht nur edel, er ist außerdem Helfer. Und auch dieses Wort hat zwei Gesichter. Zumindest, was den gesellschaftlichen Stellenwert angeht. Aufgrund seines sozialen Charakters ist der Helfer angesehen, allerdings ist er nicht der Chef und seine Arbeit erscheint weniger wertvoll. Als CARLS Co-Schreiberin und ich begannen, CARLS Schreiberin hier zu unterstützen, stand im Raum, dass wir den Titel „Hilfsschreiber(in)“ tragen sollten. Ich wollte das nicht. Warum? Zu eitel. Eitel und edel. Angeblich stammt das eine nicht vom anderen ab, aber das wird von Esel, ekel und edel ja auch behauptet. Edel leitet sich offiziell vom Wort Adel ab.
Und wie ist das jetzt mit dem Edelhelfer? CARLS Co-Schreiberin ist vor jedem Urlaub eine Edelhelferin, habe ich erfahren. Eigentlich handelt es sich aber um einen feststehenden Begriff aus dem Radsport und – wie im Sport üblich – folgt nun eine Phrase: „Radsport ist Teamsport.“ In jedem Team gibt es einen Kapitän, der versucht, das Rennen zu gewinnen. Dafür braucht er Helfer. Er braucht jemanden, der ihm Windschatten gibt, der Lücken wieder zufährt, wenn gegnerische Fahrer sich absetzen. Er braucht jemanden, der ihm das Wasser reicht, wenn seins leer ist und nicht zuletzt braucht er mentale Unterstützung. Jemanden, der ihn pusht, der ihn anfeuert. Legendär: Udo Bölts, der 1997 Jan Ulrich während eines steilen Anstiegs anschrie: „Quäl dich, du Sau!“
Der Edelhelfer ist eigentlich selber gut genug, um Kapitän zu sein, stellt sich dennoch in den Dienst seines Kapitäns. Dafür wird er meist sehr gut bezahlt. Trotzdem ist das oft unbefriedigend. So erging es auch meinem Edelhelfer, der dann plötzlich auch lieber selber einen Edelhelfer gehabt hätte, als bloß einer zu sein. Das typische Edelhelfer-Dilemma eben. Er fühlte sich einerseits edel, andererseits wie ein Esel. Doch wie für einen Edelhelfer üblich, hielt er mir die Treue. Ganz ohne Geld. Auch deshalb, weil es nicht ums Gewinnen ging, sondern bloß darum, überhaupt anzukommen.

Auf bald

Euer und CARLS Edelhilfsschreiber

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