Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Sommergeschichten #5 – Sommer im Fenster

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Das Wasser war so sauber, dass ich den Grund sehen konnte. Als ich hochblickte, schien die Sonne. Der warme Wind rauschte vom Horizont her. Entspannung. Wohlfühlen. Einfach nur relaxen. Kein Stress, keine Gedanken im Kopf. Ein Traum.

In der Krankenhausküche sehe ich nur ein kleines Fenster. Durch das Fenster sehe ich Bäume, welche die Sonne verdecken. Die Spülmaschine gibt sehr viel Wärme ab. Es ist heiß. Doch nach einiger Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

„Zum Abendessen Weiß- oder Rotwein?“,  fragte der Kellner freundlich. Ich habe kurz nachgedacht. Zu dem Essen, das auf dem Teller lag, passte eher der Rote. „Den Rotwein, bitte!“, habe ich gesagt. Nach ein paar Minuten brachte er mir ein Glas. Inzwischen war die Sonne untergegangen. Wie jeden Tag bin ich, nachdem ich fertig gegessen hatte, zum Strand gegangen. Die meisten anderen Gäste sahen eine Show an oder haben etwas anderes im Hotel gemacht. Es war also schön leer.

Als ich endlich Feierabend habe, was in der Regel nie rechtzeitig der Fall ist (ich muss immer Überstunden machen), gehe ich aus dem Krankenhaus. „Tschüss, schönen Feierabend!“, sagen die Security-Männer. „Ciao, schöne Schicht!“, sage ich mit einem gezwungenen Lächeln. Ich schaue noch schnell auf die Uhr. Es ist zehn. In fünf Minuten kommt die Bahn. Es wird knapp. Ich zünde eine Zigarette an und marschiere in einem schnellen Tempo Richtung Haltestelle.

Die Bar, die normalerweise offen war und in der es immer eine Party gab, hatte jetzt zu. Die Wellen waren auch nicht so groß wie am Tag. Doch der Ausblick war auf seine eigene Art und Weise besonders und magisch. Ich stand dort für eine Weile und schaute einfach den Mond an. Es war so schön. Ich sah die Sterne, die Wellen. Der Wind war ein wenig stärker als am Tag; doch er war immer noch schön angenehm und warm.

„Sofort“ steht auf er Anzeigetafel. Ist die Bahn jetzt schon weg oder kommt sie noch? Ich schmeiße meine Zigarette schnell weg und gehe die Treppe runter. Da stehen ein paar Menschen, doch die Bahn steht nicht mehr auf der Tafel. Weg. Die nächste Bahn kommt in einer halben Stunde. Zum Glück habe ich mein Buch dabei. Ich lese ein wenig, dann geht die Zeit schneller vorbei. Es ist ein Krimi, nachts ist die beste Zeit, ihn zu lesen. Die Atmosphäre, die an der Straßenbahnhaltestelle herrscht, macht das Lesen des Buches und das Vorstellen der Geschichte und ihrer Gesichter einfacher.

Die Show, die das Hotel anbot, machte sehr viel Spaß. Die Animateure waren immer sehr motiviert und haben sich wirklich um die Gäste gekümmert. Das Programm fing mit einer Veranstaltung für Kinder an und endete mit einem Kabarett, das leider auf Italienisch vorgestellt wurde, aber trotzdem sehr lustig war. Die Animateure kannte ich mittlerweile auch. Sie begleiteten einen fast die ganze Zeit. Morgens gab es immer Zumba im Schwimmbad oder auch eine kurze Tanzstunde. Die Musik, die gespielt wurde, konnte man auch als CD kaufen. Die Lieder waren nämlich von den Animateuren selbst aufgenommen worden. Die CD habe ich immernoch irgendwo liegen.

Ein paar Seiten ist es schon her, dass auf der Tafel „sofort“ stand. Ich packe das Buch in meine Tasche, stehe auf und gehe ein wenig nach vorne, dahin, wo die Bahn immer hält. Es ist Montagabend. Die Bahn ist leer. Ich suche mir einen Platz, setze meine Kopfhörer auf und konzentriere mich auf die Fahrt. Damit ich während der Fahrt nicht einschlafe, stelle ich die Musik lauter.

Es war langsam kälter geworden. Ich schaute mich noch einmal um: Mond, Sterne und Wellen. Ich atmete ein und wieder aus und ging dann ins Hotel zurück.

Weronika Kapala

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