Carls Schreiberin

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Sommergeschichten #3 – Hilfe, Urlaub!

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Adapter, Bücher, Chlorbrille, Duschgel …

Als ich noch ein Kind war, habe ich nie begriffen, warum meine Mutter kurz vor Beginn unseres Urlaubs am liebsten zu Hause geblieben wäre.
„Der Garten ist doch gerade jetzt so schön“, sagte sie.
Ich machte große Augen. Wie kann ein Garten mit ein paar Johannisbeerbüschen schöner sein als das Meer? Attraktiver als der Strand? Besser als Meloneneis an der Promenade?

… Ersatzbrille, Federballschläger, Gesichtscreme, Haarbürste …

Heute vermute ich, dass meine Mutter nicht nur wehmütig an die Johannisbeeren dachte, die in unserer Abwesenheit reif und von den Vögel gefressen werden würden.
Sicher waren es auch all die zu erledigenden Dinge, die in ihrem Kopf herumspukten. Allein schon das Kofferpacken für eine fünfköpfige Familie.

… Igelball, Jeansjacke, Kappe, Lotion …

Als Erwachsene werde ich schon Tage vor dem Urlaub kribbelig. Aber nicht (nur) aus Vorfreude. Nervös werde ich, wenn ich die Listen ausdrucke mit all dem, was ich mitnehmen will. Mit all dem, was die Kinder mitnehmen sollen. Mit all dem, was in der Küche der Ferienwohnung fehlt. Im Bad der Ferienwohnung fehlt. Mit all dem, was wir unbedingt brauchen, damit die Fahrt nicht zu lang wird. Damit wir an Sonnentagen, aber auch an Regentagen gut gerüstet sind.
Und warum sollten wir schließlich neues Sandspielzeug kaufen, wenn wir schon drei Garnituren in der Garage liegen haben?

… Mückenapparat, Nagelfeile, Ohrringe, Personalausweis …

Natürlich habe ich noch mehr Listen. Auf denen steht:
– Nachbarn Bescheid sagen
– Stecker rausziehen
– Akkus laden
– E-Books downloaden
– Müll rausbringen
– Fenster schließen

… Q-Tips, Regenschirm, Sonnenmilch, Taschentücher …

Und dann fällt mir siedend heiß ein, dass wir Proviant brauchen. Der allen schmecken muss. Der nicht schmelzen sollte. Der nicht zu streng riechen darf.

Wenn die anderen schon auf dem Weg zum Auto sind, jage ich schnell noch einmal mit dem Staubsauger durch die Räume. Mache die Betten. Spüle das Frühstücksgeschirr. Schließlich soll es schön zu Hause sein, wenn wir wiederkommen. Schließlich will ich mich nicht vor den Blumengießern schämen müssen.

Wenn ich endlich, endlich im Auto sitze, bin ich schweißgebadet. Irgendwas habe ich vergessen, das weiß ich genau …

… Umhängetasche, Visum, Wattepads, X-beliebige Spiele …

Hauptsache, das Handy ist dabei. Da lässt sich schnell recherchieren, woher der Begriff „Urlaub“ eigentlich kommt. Ich finde heraus: „Urlaub“ entstand als Ableitung zu einer früheren Form des Verbs „erlauben“. Ein Urlauber war zunächst jemand, der zeitweise vom Dienst freigestellt wurde. Das betrifft eigentlich Arbeitnehmer. Als Freiberufler kann ich mich nur selbst freistellen. Und das sollte ich mal tun. Dürfen in unserer Abwesenheit wirklich keine Krümel auf dem Tisch liegen bleiben? Verhungern wir ohne Proviant im Auto? Muss ich wirklich von A bis Z an alles denken?

… Yogamatte, Zahnbürste.

Wir reisen nicht in die Tropen, sondern mitten in die Zivilisation. Hier gibt es Supermärkte, Kaufhäuser, Apotheken. Natürlich ist es blöd, Geld für eine vierte Sandspielzeuggarnitur auszugeben. Aber andererseits ist doch eine italienische, französische oder niederländische Sandschüppe ein schönes Souvenir. Oder etwa nicht?
Hauptsache, die Liebsten sind dabei. Und gute Laune. Ach ja, und Gummistiefel …
Nein, ich fang nicht wieder an. Ich hör jetzt auf. Das erlaube ich mir.

Schönen Urlaub, schöne Ferien wünscht euch eure und Carls Schreiberin Anja Kiel

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