Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Unsere Sommergeschichten #1 – Abgestrampelt

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Andere Zeitungen und Blogs haben ein Sommerloch, wir starten richtig durch: mit unserer neuen Reihe „Unsere Sommergeschichten“. Den Anfang macht CARLS Co-Schreiber. Im Redaktionsplan steht dazu: „Tobias radelt durch Bayern“. Was sich gemütlich anhört, entpuppte sich als … – doch lest selbst!

Alleine wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen – doch als Freunde mir vorschlugen, mit ihnen in den Fahrradurlaub zu fahren, sagte ich zu. Ich kaufte mir ein paar Radtaschen, einen Helm und ein Rad. Einmal fuhr ich damit von Düsseldorf zu CARL nach Essen. Ich sah mich bestens gerüstet für die große Tour.
Wir starteten in Kaufbeuren. Nach zwanzig Minuten Bergauffahrt waren zwei meiner drei Radkollegen aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich traf sie wieder im Tal, soeben hatte mein Tacho 54 Stundenkilometer angezeigt. Eigentlich wollte ich fragen, ob das nun der Grundtenor unserer Tour sei, doch es war noch zu früh für die Opferrolle. Die Antwort folgte dann ein paar Kilometer weiter. „14 %“, stand auf einem Schild. Eine steile Rampe ging geradeaus bergauf. Bei jedem Pedaltritt überlegte ich, abzusteigen, aber: Das hier war Tag Eins und wir noch nicht mal eine Stunde auf dem Sattel.
Ich blieb also sitzen und was ich um mich herum sah, gefiel mir: Überall frisch gemähte Wiesen. Väter hockten mit ihren Kindern auf Treckern. Eine Blindschleiche schlängelte über die Straße. Rotmilane breiteten am Himmel ihre riesigen Flügel auf der Suche nach Beute aus. Das Glockenläuten der Kühe mischte sich in das Geräusch des Fahrtwindes. Abends badeten wir vor zerklüfteten Bergen im türkis schimmernden Wasser des Forggensees.
Am nächsten Tag ging es wieder aufs Rad (nun mit Muskelkater). Zwei von uns (ich war nicht unter ihnen) bretterten so schnell durch die Landschaft, dass sie Schloss Neuschwanstein, das sich zu unserer Rechten erhob, nicht bemerkten. Am dritten Tag fuhren wir 105 Kilometer (jeder).
Bald stand unsere Königsetappe auf dem Programm: Unser Ziel war das Hochgernhaus – 1600 Meter hoch gelegen. Blöderweise galt es, 1000 davon auf den letzten acht Kilometern zu überwinden. Was als Schotterpsite begann, wurde zu einer Art trockenem Flussbett und wir kämpften gegen Kieselsteine an, die unter unseren Reifen nach links und rechts flutschten. Wenn mir eine Kuh den Weg versperrte, umschob ich sie vorsichtig, wobei ich mir vor Angst fast in die Hosen schiss. Irgendwann, irgendwo verbot ein Schild das Radfahren. Aber mein Rennfahrerstern war nun im Begriff, am Fahrradhimmel aufzugehen. Ich strampelte weiter.
Wir kamen tatsächlich an. Die Wirtin war verblüfft, hatte nie zuvor Trekkingräder hier oben gesehen – „Und dann auch noch mit Gepäck!“ Nur Wanderer und Mountainbiker verirrten sich zu ihr herauf – Letztere zumeist auf E-Bikes. Dann servierte sie mir ein ungefähr 600 Gramm schweres Stück Kasseler. Es war wie in einem Traum. Wir saßen erschöpft auf der Terasse, schauten ins Tal und auf die umliegenden Berge. Großglockner und Co waren nicht weit. Wolken zogen auf. Ich stand mitten im Nebel. Meine Beine fühlten sich nicht mehr an wie meine Beine. Wir gingen rein. Ein rumänischer Herr, der hier oben eine Art Mädchen für alles war, zog uns im Schach ab. Beim Scrabble fielen mir nur noch Autokennzeichen ein. Als morgens die Sonne wieder rauskam, taten es ihr die Murmeltiere gleich.

Der Radurlaub war ein tolles Erlebnis: Ich habe nicht nur alte Freundschaften gepflegt, sondern auch zwei neue Freunde gewonnen: Der Kasseler hat sich gleichmäßig auf beide Beine verteilt und findet sich jetzt erkennbar als Musculus vastus medialis in meinen Oberschenkeln wieder.
Meine Empfehlung: Fahrt mehr Rad!

Auf bald

Euer und CARLs Co-Schreiber

PS: Vielen Dank an meinen Edelhelfer, den ich stets an meiner Seite wusste!

PPS: Wer oder was ein Edelhelfer ist, das erfahrt Ihr bald. Wo? Natürlich hier.

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