Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Lautmalerische Worte #2: Unkenrufe

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„Das wird nie was!“
„Das schaffst du doch sowieso nicht.“
„Warum solltest ausgerechnet du das können?“

Ich will sie nicht hören, diese Unkenrufe von den ewigen Zweiflern.
Na ja, um ehrlich zu sein: Die Rufe kommen nicht von draußen, sie ertönen in meinem eigenen Kopf.
Ich gehöre zu den Leuten, die sich immer mal wieder mit (Selbst-)Zweifeln quälen. Gerade unter Autoren soll das normal sein. Ob es sein muss, ist eine andere Frage.
Wo kommen sie eigentlich her, die Unkenrufe?

Meine Recherche bei Wikipedia und Co. ergibt zunächst, dass Unken zur Gattung der Froschlurche zählen. Die Rufe der Männchen in der Paarungszeit klingen seltsam melancholisch (Rotbauchunken) bis glockenartig (Gelbbauchunken). Möglicherweise ist der Name Unke eine lautmalerische Ableitung des Unkenrufs. Vielleicht wurde der Name aber auch vom nordgermanischen Wort ûkôn für Kröte abgeleitet (oder vom ebenfalls nordgermanischen unkvi für Schlange, der angeblich manchmal fälschlich der Unkenruf zugeschrieben wurde, weil sich etwa die Ringelnattern an den gleichen Orten wie die Unken aufhalten). Und die Kröte steht als Sinnbild des „Unheilspropheten oder Verkünders schlechter Omen“.

Was also tun? Die Ohren verschließen vor den Miesmachern und Zweiflern, den Ja-aber-Sagern in und außerhalb unseres Kopfes?
Nein, ich denke nicht. Im „Märchen von der Unke“ der Gebrüder Grimm ist die Unke ein guter Hausgeist, den das Kind mit Milch füttert. Als die Mutter das Tier (das hier der Überlieferung nach eine Ringelnatter ist) erschlägt, stirbt nach kurzer Zeit auch das Kind.
Vielleicht sollten wir uns also gutstellen mit der Unke. Ihr genau zuhören. Ihre Argumente abwägen, ohne uns davon ins Bockshorn jagen zu lassen (auch eine schöne Redensart, die so viel wie „einschüchtern“ meint.)

Gerade in einer Zeit, in der uns aus Ratgebern und Zeitschriften, aus Casting-Shows und der Werbung immer wieder „Du kannst das, du musst nur wollen!“ entgegenschallt, dürfen wir uns ruhig erst mal fragen: Schaffen wir das wirklich? Wollen wir das wirklich?
Manchmal ist es dann richtig, laut „Nein!“ zu rufen.
Damit das, was wir wirklich schaffen wollen, auch gelingt – trotz aller Unkenrufe.

Eure und Carls Co-Schreiberin Anja

PS. Ja, ich weiß, dass auf dem Beitragsbild eine Kröte und keine Unke zu sehen ist. Wir fanden sie verirrt vor dem Kellereingang sitzend und halfen ihr in die Freiheit.

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