Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Vom Müdesein und Aufwachen

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Diesen Zustand kennen vermutlich die meisten: Der Körper bleischwer, der Kopf noch nicht richtig an, die Augen halb geschlossen. Zu müde! Wir wollen nicht aufstehen, nicht losgehen, nicht zur Arbeit, nicht zur Schule, nicht in die Vorlesung … Es soll zwar Menschen geben, die sich morgens mit einem Liedchen auf den Lippen über den Bettrand schwingen, aber die kennen das Gefühl der Erschöpfung meist vom Abend zuvor.

Und gerade jetzt kommt es doppelt: die Zeit um und nach Ostern, der April und Mai bringen die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit mit. Die Forschung ist sich bei den Ursachen dafür nicht ganz einig. Es hat laut Wissenschaftlern wohl mit den Hormonen Serotonin und Melatonin zu tun, die bei uns Menschen die Schlaf- und Wachphasen regeln. Und klar, die innere Uhr spielt da auch mit, wenn man an die Zeitumstellung denkt und die lange Dunkelheit des Winters.

Aber kann es nicht vielleicht sein, dass diese ominöse Frühjahrsmüdigkeit nichts anderes ist als ein riesengroßer, schmuseweicher, kuscheliger Schweinehund, der uns ins Bett oder auf die Couch lockt?

Bei all den wunderbaren Sachen, die jetzt zum Neubeginn des Jahres auf uns warten, birgt der Kalender eben auch eine Menge an Aktivitäten, die schlichtweg anstrengend sind. Wir freuen uns doch eigentlich den ganzen Winter darauf, dass es losgeht, so richtig – das Leben eben! Im Sommer sind die Tage länger, die Haare heller, die Haut sonnengeküsst. Das kalte Bier aus der Kühltasche beim Ausflug, hitzefrei und endlich gibt es wieder das ersehnte Pistazieneis an der Eisdiele. Und der Frühling führt uns schließlich dahin. Im Herbst kann man auch noch wunderbare Sonnentage erleben, man sieht nie besser aus als nach dem Sommer, kann die coole Lederjacke auspacken und die Fußball-Sommerpause ist endlich vorbei. Langsam kann man bereits ein halbes Auge nach Weihnachtsgeschenken aufhalten, die Herbstferien winken und bald brennt das erste Licht auf dem Adventskranz …

Ist es das? Sind wir zu faul und feige, schon WIEDER alles von vorne anzufangen? Der kuschelige Schweinehund von der Couch erinnert uns daran, dass wir zum Schwimmen im Strandbad auch eine Tasche packen müssen, den Inhalt des Koffers für den Urlaub organisieren, ganz zu schweigen von der unendlichen Misere der Bikini-Figur („Dieses Jahr hab ich einen Sixpack!“). Anstrengend wird die Autofahrt nach Italien, das Anstehen in der Schlange beim Eismann, die Sucherei nach dem Volleyball in der Garage (plus der zugehörigen Ballpumpe) und das minuziöse Eincremen der Haut mit Sonnencreme (manchmal muss man sogar noch einen zusätzlichen Rücken übernehmen). Und das war erst der Sommer! Jedes Jahr wieder neue Aufgaben, Pflichten, die Prüfungen werden schwerer oder die Verantwortung im Job steigt …

STOP!!!

Genug gejammert jetzt! Genug an den Schweinehund gekuschelt. Jeder kann die Unternehmungslust, das Aufraffen und Aufbrechen zu neuen Ufern im Leben trainieren – wie einen Muskel. Erinnern wir uns an den Klassiker „Stufen“ von Hermann Hesse, denn dort heißt es:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Wem das zu schwülstig ist, dem soll gesagt sein: Los! Augen auf und rein ins Leben, einen lieben Gruß an den Schmuse-Schweinehund, wir kuscheln wieder ab November!

Laila Gulaif

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