Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Lautmalerische Worte #1 – knacken

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Vor ein paar Tagen erreichte uns ein Paket. Der Inhalt (Retro-Spiele aus den 80ern) war vom Absender sorgsam mit Knackfolie umwickelt. Die heißt offiziell Luftpolsterfolie. Aber Knackfolie … Das klingt doch viel schöner! Das ist lautmalerisch, onomatopoetisch wie der Experte sagt. Und das Zerplatzenlassen der Bläschen mit den Fingern (oder Füßen) ist ja so beruhigend. Jedenfalls, solange man selbst knackt. Wenn andere knacken …

Ich denke über das Wort und das Geräusch „knacken“ nach. Im Februar war es noch knackig kalt draußen. „Lass knacken!“, wollte ich da dem sich zierenden Frühling zurufen. Und hätte mich sofort als jemand geoutet, der nicht mehr so ganz jung ist. „Lass knacken“? Sagt heute kaum noch jemand. Heute wird verlangt: „Chill mal, Alter!“ Warum nicht „Chill mal, alter Knacker!“? Ob diese abfällige Bezeichnung mit knackenden Gelenken im Alter zu tun hat, ist nicht sicher. Auf der Seite www.redensarten-index.de finde ich eine weitere Erklärung: „Alter Knacker“ komme wahrscheinlich aus dem Handwerk der Flachs- und Leinspinner. Damit alle Faden-Spulen zum Abrechnen gleich viel Garn enthielten, hatte die Haspel ein einfaches Zählwerk, das nach einer bestimmten Länge einmal knackte. Angeblich wurde mit dem Aufhaspeln oft der Großvater betraut. Aha!
Aber heute sind die Alten rüstiger denn je. Da wird nicht mehr gesponnen und schon gar nicht geknackt.

Oder vielleicht doch? In meinem Fitnessstudio zumindest tummeln sich die Senioren, um bei Pilates und Power Workout ihren Knackpo zu formen.
Die Jungen dagegen wischen auf ihren Smartphones herum. Sie kennen das Knacken im Telefon nicht mehr, das Hinweise auf ein mögliches Abhören gab. Stattdessen geben sie ihre Daten freiwillig auf Facebook, Instagram und Youtube heraus. Passwörter müssen dafür nicht mehr geknackt werden. Doch ich schweife ab.

Dabei sollte der Text doch kurz und knackig werden.
Mir fallen weitere knackige Begriffe ein, die heutzutage allerdings kaum noch benutzt werden: „Jemanden verknacken“ zum Beispiel. Warum das Verurteilen umgangssprachlich so bezeichnet wurde? Vermutlich hängt das mit dem westjiddischen „Knas“, also der Geldstrafe zusammen. Entsprechend waren Strafgefangene die Knackis.

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, sprießen draußen die ersten Krokusse. Und schon ist sie da: die Frühlingsmüdigkeit! Was die mit „knacken“ zu tun hat? Na, ich könnte ständig ne Runde knacken gehen (an die jüngeren Leser: umgangssprachlich für schlafen). Wenn schlafen zur Entspannung nicht drin ist, muss die Knackfolie wieder herhalten. Oder eins der Spiele aus dem Paket. Und dazu Schokolade. „Knick, knack, auf Zack!“ Die Schokomarke, die diesen Spruch in den 70ern kreierte, hat soeben Mini-Täfelchen mit „Schokosprüchen“ auf den Markt gebracht. „Lass es krachen!“ lautet einer davon. Auch ein schönes lautmalerisches Wort. Was das mit Feiern zu tun hat? Ein weiteres Rätsel, das es zu knacken gilt.

Lasst knacken!
Eure und Carls Co-Schreiberin

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