Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

Zettel ziehen, zusammen singen
Konzert mit Jan Plewka und Marco Schmedtje

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Jan Plewka und Marco Schmedtje gastierten mit ihrer „Between the Bars“-Tour am 15.12.2016 auf der Zeche Carl. Zwei Männer, eine Gitarre und ein Rucksack voller Songs. Schnörkellos und ohne Vorband, so traten Plewka und Schmedtje auf die Bühne.

Pünktlich um 20 Uhr ging es vor dicht besetzten Stuhlreihen los. Doch zunächst mischte sich Sänger Jan Plewka im legeren Alltagsoutfit unter die Leute – in der Hand einen Jutebeutel. Darin befanden sich auf Stauder-Bierblock-Zetteln alle Songtitel, die er und sein Co-Sänger und Gitarrist Marco Schmedtje zusammen singen können. Das Publikum bestimmte die Reihenfolge der Setlist, indem es die Songs blind aus dem Sack zog. Nach ein paar Scherzen über Tombolas startete das Konzert. Der Gesang der beiden Männer wurde begleitet von Schmedtjes mal sanftem, mal kräftigem Gitarrenspiel. Die Wahl-Hamburger bedurften keiner weiteren Instrumente, um Klassiker wie „The Boxer“ oder „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel zu spielen. Das allerdings in zum Teil sehr eigenwilligen Interpretationen.

Das Repertoire mischte sich bunt aus Coversongs und eigenen Werken. Dabei wechselte auch die Stimmung der Lieder: Melancholie war mit an Bord, als Plewka und Schmedtjes in „Sei hier“ von verlorener Liebe am Hamburger Hafen sangen. Und richtig gerockt wurde auf und vor der Bühne zu „Rauch-Haus-Song“, dem Protestlied schlechthin der Band „Ton Steine Scherben“. Zwischen den Titeln lief Plewka immer mal wieder von der Bühne irgendwo in die Reihen des Publikums, um den nächsten Song aus dem Beutel ziehen zu lassen. Schmedtje klimperte solange angenehm auf den Saiten seiner Gitarre herum und blieb seinem Barhocker treu. Dabei philosophierten die beiden über Zufall, Schicksal und das Leben. Oder das Publikum hörte Geschichten über Songschreiben in Spanien, Kugelschreibertinte versus blaue Flecken oder Morgen-Martinis zur kreativen Bereicherung. So schafften es die beiden Musiker, die anfängliche Befangenheit des Publikums angesichts der fehlenden räumlichen Distanz zu den Künstlern aufzuheben.

Schmedtjes virtuoses Gitarrenspiel vermochte Musikfans im Allgemeinen anzusprechen, ob sie das Programm des Duos kannten oder nicht. Sicherlich kamen auch „Selig“-Fans auf ihre Kosten, denn Jan Plewka hinterlässt als einer der Songwriter in beiden Projekten einen unverkennbaren Fußabdruck.

Fazit: ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend, der auch den Zeitgeist einer vergangenen Generation von Musikern wieder aufleben ließ.

 

Text: Laila Gulaif
Foto: Sven Sindt

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