Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Maronen für Norbert
Carls Co-Schreiber stellt sich vor

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Darf ich mich vorstellen? Ich bin der Neue. Carls Co-Schreiber. Eigentlich heiße ich Tobias Steinfeld, bin 33 Jahre alt und schreibe Theaterstücke und Geschichten. Außerdem leite ich Schreib- und Audiowerkstätten für Jugendliche. Für meinen ersten Roman wurde ich unter anderem mit dem Mannheimer Stadtschreiberstipendium ausgezeichnet und war dort der „Feuergriffel“.

Seltsame Identitäten, die man in seinem Leben so annimmt: Carls Co-Schreiber. Der Neue. Feuergriffel. Und: Tobias Steinfeld.

Besonders der eigene Name ist mindestens so fest an die eigene Person gebunden, wie der Barde Troubadix auf jeder letzten Seite im Asterix-Comic an den Baum.

Wir haben nicht nur Namen – wir sind Namen. Ich BIN Tobias. Ich BIN Carls-Co-Schreiber. Bei Letzterem hatte ich Mitspracherecht, was eher selten vorkommt, wenn es um die Namensgebung geht. Namen geben einem meist die anderen.

Als Kind hatte ich eine Zeit lang den Spitznamen Orbit. Dabei war ich weder Weltraumfan, noch begeisterter Kaugummikauer. Trotzdem war ich Orbit. Mein Vater hatte mich ab und zu Tobit genannt – so heißt Tobias‘ Vater im Alten Testament. Einer meiner Freunde hatte das aufgeschnappt, Torbit verstanden und daraus gedankenschnell Orbit geformt. Wenn ich mit meinem Fahrrad auf den Grundschulhof bog, kam es vor, dass ich dabei von einem Chor begleitet wurde. Der sang: „Ja das ist Orbit, natürlich ohne Zucker, ja der schmeckt so lang, so lang, so eeheextra lang!“ Ich war ganz zufrieden damit.

20 Jahre später. Weihnachtszeit. Ich schlendere mit meiner Schwester durch die Fußgängerzone meiner Heimatstadt. Irgendwo ruft irgendjemand irgendetwas. Immer wieder. Bald wird mir klar: Die Stimme ruft „Norbert“. Und sie hört nicht auf damit. Norbert! Norbert! Norbert! „Der Typ da vorne winkt dir zu“, sagt meine Schwester. Ich drehe mich um. Da steht der Maronenverkäufer in seinem Wagen, lächelt, zeigt auf mich und ruft: „Norbert! Wie geht’s dir? Komm her!“ Es ist Martino. Aus der E-Jugend. Ich weiß noch genau, wie er damals dastand mit seinem zu großen Rucksack, wollte eigentlich beim Erwachsenen-Football mitmachen, war aber acht Jahre zu jung dafür, und hat sich dann, mangels Alternativen, uns jungen Fußballern angeschlossen. Offensichtlich hat er sich über die Jahre mein Gesicht gemerkt und stets gedacht, ich würde Norbert heißen. Klingt so ähnlich wie Orbit und ist im Gegensatz dazu immerhin ein Personenname.

Martinos Maronen waren übrigens köstlich. Später habe ich dann mal nachgeschaut, was es so auf sich hat, mit diesem Namen: Norbert. Er kommt aus dem Germanischen und heißt so viel wie „Der Strahlende aus dem Norden“ oder „Licht des Nordens“. So betrachtet, ziemlich schön. Das hätte ich ohne Martino vermutlich nie erfahren – und ihr dann vielleicht auch nicht.

Heute bin ich froh, Carls Co-Schreiber zu sein und ab jetzt regelmäßig für euch zu schreiben!

Auf bald!

Euer und Carls Co-Schreiber

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