Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Schöne Worte #2 – Schrumpfhose

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Neulich. In einer meiner Schreibwerkstätten. Eine Diskussion über das Wort STRUMPFHOSE. Eine der Teilnehmerinnen – nennen wir sie M. – fiel aus allen Wolken, als sie feststellte, dass die „eng an Fuß, Bein und Unterleib anliegende, gewirkte oder gestrickte Hose, die wie ein Strumpf angezogen wird“ (Definition Duden), keineswegs SCHRUMPFHOSE heißt. Sondern STRUMPFHOSE.

Bei mir wiederum löste das Wort SCHRUMPFHOSE eine ganze Kette an Assoziationen aus: Kindheit. Strumpfhosen aus Wolle. Strumpfhosen, die immer, immer, immer zu klein waren.

Ja, ja.Ich weiß schon: Immer ist sicher übertrieben. Aber Kindheit kennt eben nur immer. Oder nie. Kein Manchmal. Kein Oft. Kein Hinundwieder.

Immer also diese zu kleinen Strumpfhosen. Mama hält die Hose am Bund und ich hüpfe hoch und runter, bis die Hose halbwegs sitzt. Später wird sie wieder schrumpfen. Schrumpfen und rutschen, bis ihr Schritt irgendwo mittig zwischen Popo und Kniekehlen hängt. Aber jetzt sitzt sie. Noch. Weil ich lang genug hüpfe. Einmal hüpfe ich Mama bis unters Kinn. Ein Kinnhakenhüpfer.

Wir hassen sie beide. Diese immerzu schrumpfenden Strumpfhosen. Denn: Ja, sie schrumpfen ganz sicher. Am Wachsen kann es nicht liegen. Wenn es am Wachsen läge, wie kann es dann sein, dass die Kniestrümpfe dauernd zu groß sind? An den Waden runterrutschen. In die Stiefel hinabkriechen. Und auf dem Weg zum Kindergarten bei „Auf der Mauer, auf der Lauer“ sich bereits zusammengeknubbelt haben unter den Fußsohlen, während die Stiefel an den nackten Fersen zu scheuern beginnen?

Nein, am Wachsen lag es sicher nicht.

Die Wahrheit ist: Immer, immer, immerzu sind sie geschrumpft diese Hosen.

Und deshalb plädiere ich mit M. für eine Umbenennung. SCHRUMPFHOSE. Was für ein schönes, was für ein treffendes Wort …

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