Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

CARLs Schülerredaktion //
schaut euch die Welt an

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„So sieht also ein Journalistenmorgen aus: ohne Kaffee aus dem Haus und gleich rein ins Getümmel“, beginnt Leon den ersten Blogeintrag von CARLs Schülerredaktion am Weltflüchtlingstag in der Weststadthalle.

Die Redaktion bestand aus Zalmai (17 Jahre), Weronika (17 Jahre) und Leon (18 Jahre). Außerdem Sabrina Sapone von der Zeche Carl, die Texte und Fotos online stellte, und einer parallel aktiven Video-Redaktion um Cornelius Kämmerling. Und aus mir als Redaktionsleitung. Lag ja nahe. Immerhin gehört die Schülerredaktion zum Projekt „Im Anfang war das Wort“.

CARL deshalb so: Wir brauchen noch ne Redaktionsleitung für die Schülerredaktion. Machst du doch, oder?

CARLs Schreiberin so: Klar.

Und dann später als Nachtrag: Oh, oh …

Nämlich: Für Samstag hatte ich meinen Umzug geplant, Sonntag stand die Buchpräsentation der neuen Bände unserer Projektfamilie „FlussLandStadt. Eure Heimat – euer Roman“ an (natürlich auf CARL, wo auch sonst?) und Montag dann also Schülerredaktionsleitung.

Aber nichts geht über eine Portion Größenwahn.

Anders als Leon hatte ich Montagmorgen immerhin schon einen Kaffee intus, als es losging. Aber gleich rein ins Getümmel galt auch für mich.

An Überforderung grenzte mein Auftrag an die drei Redakteure: Von 9 bis ca. 15 Uhr sollten sie möglichst viele der Informations- und Aktionsstände auf dem Weltflüchtlingstag im Blog vorstellen, Eindrücke von der Podiumsdiskussion schildern und ein Fazit ziehen. Das ganze mit fotografischem Beiwerk.

Und mit einer Redaktionsleitung, die sich selbst noch nicht ganz im Klaren über den Ablauf und das schaffbare Pensum war. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass Überforderung, solange sie nicht permanent besteht, durchaus etwas Wünschenswertes ist, wenn man in Bewegung bleiben will.

Im Anfang war also das Chaos. Der Größenwahn. Die Überforderung.

Aber CARLs Redakteure haben sich wunderbar geschlagen in diesem Chaos. Die Blogserie, die sie getextet haben, macht Spaß. Und nachdenklich. Als Redaktionsleitung habe ich an dem Tag nicht wirklich etwas von den Aktionen in der Weststadthalle mitbekommen, weil ich ja in der „Zentrale“ saß, Texte redigierte und die Beiträge koordinierte. Trotzdem habe ich das Gefühl, live dabeigewesen zu sein, weil Zalmai, Weronika und Leon so lebendig berichteten.

Durch ihre Augen die Welt sehen.

Wie dieser Blick bewegen kann, zeigt sich zum Beispiel in einem gemeinsamen Beitrag von Leon und Zalmai über einen Aktionsstand, an dem man hautnah nachfühlen konnte, wie es ist, in einem LKW mit 71 anderen eine Fahrt zu überstehen.

Leon dazu: Darin Stunden auszuhalten, ist selbst mit offener Luke kaum vorstellbar.

Zalmai dazu: Ich habe selbst 34 Stunden in so einem LKW zubringen müssen, als ich nach Deutschland gekommen bin.

Solche Sätze tun weh. Müssen sie auch.

Egal wie eng der Zeitplan auch beim nächsten Mal sein mag: Ich freu mich schon jetzt auf den nächsten Einsatz von CARLs Schülerredaktion. „Geht in die Welt, schaut euch die Welt an“, lautete der Appell des Oberbürgermeisters im Rahmen der Podiumsveranstaltung. Ein Appell, den Weronika für uns aus dieser Veranstaltung mitgebracht hat. Und ich könnte ergänzen: Ja, schaut euch die Welt an. Und lasst uns teilhaben an eurem Blick auf die Welt. Damit wir mehr sehen …

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