Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

14. August 2017
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Wortentdeckungen #3 // Sommergeschichten #4: erfahren

CARLs Co-Schreiber berichtet, was er auf seiner Radtour erlebt hat. Erfahren hat, könnte man sagen. Und kaum habe ich das Wort gedacht, kommt in meinem Kopf etwas in Fahrt. Eher bergab als bergauf. Bei bergab denken ja alle, dass es jetzt richtig mies wird, aber manchmal wird es auch bloß einfach. Wenn nach einer mühsamen Bergauffahrt eine entspannte, rasante Abfahrt folgt zum Beispiel. Wie man wieder bremst, ist allerdings eine andere Frage.

Abfahren ist auch ein Wort, über das man nachdenken kann. Ich fahr auf dich ab. Könnte heißen, jemand benutzt mich als Abfahrtsrampe und kann mir also, wörtlich genommen, den Buckel herunterrutschen. Ist aber nicht so. Ich fahr auf dich ab. Ein Satz, der ganz schön überfahren kann. Aus dem Nichts angeschossen kommen, den Zebrastreifen missachten, BÄÄM, und dann am besten noch Fahrerflucht.

Aber ich wollte ja über erfahren nachdenken.

Ich könnte nachschlagen, wo das Wort herkommt. Aber vielleicht wollen Wörter ja nicht dauernd gefragt werden, wo sie herkommen. Vielleicht haben sie einfach keinen Bock, immer wieder nach ihrem Migrationshintergrund gefragt zu werden.

Mir ist der Migrationshinterhrund von erfahren also grad mal schnuppe. Ich freu mich einfach bloß. Weil Erfahrung, genauer betrachtet, nach Abenteuer klingt. Mit Jacques Kerouac on the road: in Güterzügen, Greyhound-Bussen und auf Lkw-Pritschen. Mit Odysseus auf Irrfahrt über die Weltmeere. Was haben die alles erfahren. Über die Welt und sich selbst. Erfahren im allerbesten Wortsinne.

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Gepäck

10. August 2017
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Sommergeschichten #3 – Hilfe, Urlaub!

Adapter, Bücher, Chlorbrille, Duschgel …

Als ich noch ein Kind war, habe ich nie begriffen, warum meine Mutter kurz vor Beginn unseres Urlaubs am liebsten zu Hause geblieben wäre.
„Der Garten ist doch gerade jetzt so schön“, sagte sie.
Ich machte große Augen. Wie kann ein Garten mit ein paar Johannisbeerbüschen schöner sein als das Meer? Attraktiver als der Strand? Besser als Meloneneis an der Promenade?

… Ersatzbrille, Federballschläger, Gesichtscreme, Haarbürste …

Heute vermute ich, dass meine Mutter nicht nur wehmütig an die Johannisbeeren dachte, die in unserer Abwesenheit reif und von den Vögel gefressen werden würden.
Sicher waren es auch all die zu erledigenden Dinge, die in ihrem Kopf herumspukten. Allein schon das Kofferpacken für eine fünfköpfige Familie. Weiterlesen →

8. August 2017
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Sommergeschichten #2 – Ich brauche Sonnenschein

Für mich ist es ist schwierig zu beschreiben, wie sich der Sommer hier in Deutschland anfühlt. Für die Menschen, die schon immer hier leben, ist es vielleicht einfacher. Für sie bedeutet Sommer wahrscheinlich, in den Urlaub zu fahren. Bei mir ist das anders. Abgesehen davon, dass Deutschlands Sommer für mich gar kein richtiger Sommer ist: Der Regen im deutschen Sommer ist stärker als der Regen in meinem Heimatland Syrien im Winter.

Ich lebe jetzt seit fast zwei Jahren in Deutschland. Zum Anfang kannte ich die Sprache nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie sich das Leben hier wirklich lebt. Ich bin also neu hier – ein Fremder. Ich will meine Sprache verbessern, ich will genau wissen, wie das Leben hier läuft. Ich will die Zeit nutzen, um viel zu nachdenken. Ich will erfolgreich sein. Egal ob Sommer oder Winter: Zeit ist Gold. Für mich sind Sommer und Sonnenschein, wenn ich alles, was ich will, in diesem Leben, in dieser Zeit schaffe. Weiterlesen →

31. Juli 2017
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Unsere Sommergeschichten #1 – Abgestrampelt

Andere Zeitungen und Blogs haben ein Sommerloch, wir starten richtig durch: mit unserer neuen Reihe „Unsere Sommergeschichten“. Den Anfang macht CARLS Co-Schreiber. Im Redaktionsplan steht dazu: „Tobias radelt durch Bayern“. Was sich gemütlich anhört, entpuppte sich als … – doch lest selbst!

Alleine wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen – doch als Freunde mir vorschlugen, mit ihnen in den Fahrradurlaub zu fahren, sagte ich zu. Ich kaufte mir ein paar Radtaschen, einen Helm und ein Rad. Einmal fuhr ich damit von Düsseldorf zu CARL nach Essen. Ich sah mich bestens gerüstet für die große Tour.
Wir starteten in Kaufbeuren. Nach zwanzig Minuten Bergauffahrt waren zwei meiner drei Radkollegen aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich traf sie wieder im Tal, soeben hatte mein Tacho 54 Stundenkilometer angezeigt. Eigentlich wollte ich fragen, ob das nun der Grundtenor unserer Tour sei, doch es war noch zu früh für die Opferrolle. Die Antwort folgte dann ein paar Kilometer weiter. „14 %“, stand auf einem Schild. Eine steile Rampe ging geradeaus bergauf. Bei jedem Pedaltritt überlegte ich, abzusteigen, aber: Das hier war Tag Eins und wir noch nicht mal eine Stunde auf dem Sattel. Weiterlesen →

19. Juli 2017
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Nachwuchsfotografen unterwegs im Ruhrgebiet

Wer sich im Ruhrgebiet mit dem Thema Strukturwandel beschäftigt, begegnet ihm auf viele unterschiedliche Arten.

Eine künstlerische und gleichzeitig pädagogische Annäherung war das Essener Kulturrucksack-Projekt „Zeitdetektive“. Dazu trafen sich Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren, um gemeinsam fotografische Eindrücke von bekannten Kulturschauplätzen im Ruhrgebiet einzufangen. So war die Gruppe etwa im Nordsternpark Gelsenkirchen, rund um die Zeche Carl in Essen oder am 07.06.2017 im Landschaftspark Duisburg unterwegs – begleitet von den Jungen Wortklaubern.

Unter der Leitung von Kunstpädagoge Martin Domagala trafen sich sechs Teilnehmer vor Ort. Anderthalb Stunden wollten sie am Schauplatz verbringen, den Hochofen und die Aussichtsplattform im Visier. Nach einer kurzen Besprechung am Eingang schwärmten die Kinder und Jugendlichen aus, die Kameras gezückt. Die Ausrüstung wurde hauptsächlich vom Fotostudio der Folkwang Universität der Künste zur Verfügung gestellt. Martin Domagala begleitete die jungen Teilnehmer, half ihnen, die Kameras richtig einzustellen, beantwortete Fragen und gab Tipps. „Einfach da sein“ sei wichtig, sagte er auf Nachfrage. Weiterlesen →

12. Juli 2017
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Ein offenes Wort #2: Weil alle über Strukturwandel reden

Ich habe mal eine Frage an euch: Welches Bild habt ihr vor Augen, wenn ihr an Strukturwandel denkt?
Also, wenn ich an Strukturwandel denke, kommt mir immer das Bild des Ruhrgebiets in den Sinn. Ich denke daran, wie es aussah, als es noch eine Montanregion war, und Kohlestaub und rauchende Öfen das Gebiet zeichneten. Der Strukturwandel änderte nahezu alles in der Region. Die Fabrikanlagen wurden zu Kulturzentren, wie hier die Zeche Carl, oder zu Museen wie die Zeche Zollverein. Dass es bei einem Strukturwandel aber immer zwei Seiten gibt, habe ich im Rahmen einer Facharbeit, welche ich als Ersatz für meine Geschichtsklausur angefertigt habe, herausgefunden. Denn so gut dieser Strukturwandel auch zu verlaufen scheint, bringt er auch ganz klare Verlierer hervor.

Ich sehe ganz deutlich, wer die Verlierer des Strukturwandels sind: die Arbeiter in den Bergwerken und in den Industrieanlagen.
Es fehlte ihnen an Allgemeinbildung, da der Stellenwert der Bildung erst nach der Kohlekrise ausgebaut wurde. Vorher schien die schlichtweg nicht nötig, da mussten die Arbeiter nur das mindeste an Bildung haben, um in den Zechen zu arbeiten zu können.
Durch das Zechensterben und den Abbau der Arbeitsplätze im Industriebereich verloren weit über 60 Prozent der Arbeiter im Bereich der Industrie ihre Jobs mit kaum Chancen auf andere Stellen. Weiterlesen →

17. Juni 2017
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An Bord der goldenen Rakete

Also so viel ist schon mal klar: Bei dem Wort Rakete passiert so einiges im Kopf. Ob einem jetzt die Mondlandung in den Kopf schießt (Da geht es schon los!), das zuletzt gesehene Feuerwerk oder NASA, ISS und Co – Rakete geht hoch hinaus, Rakete sprüht Funken, Rakete war das Thema der letzten Ausgabe der Zeitschrift für Gegenwartsliteratur „Richtungsding“.

Am 29.04.2017 wurde der Richtungsding-Publikumspreis in der Zeche Carl vergeben. In Form einer – wer hätte das gedacht? – goldenen Rakete, die wegen ihrer Optik nicht nur Raum für zahlreiche Assoziationen bot, sondern auch bei den sechs geladenen Wettbewerbern hoch im Kurs stand. Weiterlesen →

9. Juni 2017
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Du verstehst mich einfach nicht.

Genau, ich verSTEHE nämlich hier und du verSTEHST woanders. Nicht auf meiner Seite jedenfalls, der Seite von der ich auf die Welt schaue. Vielleicht stehen wir uns ja gegenüber, doch selbst dann ist für dich links, wo für mich rechts ist und umgekehrt. Oben und unten stimmen vielleicht gerade noch.
Die Worte, die ich zu dir sage, kommen bei dir an, schließlich sprechen wir von Geburt an die selbe Sprache. Aber was diese Worte mir bedeuten, das weißt du nicht.
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4. Juni 2017
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Die grüne Stadt // Bericht aus einem Projekt der besonderen Art

Können Sie sich vorstellen, dass das Ruhrgebiet im Jahr 2067 zur ökologischen Vorzeigeregion geworden ist, die sogar Außerirdische fasziniert? Oder dass die Region im Jahr 2080 täglich mit Hochwasserkatastrophen kämpft? Fast 150 Jugendliche haben sich mit der Zukunft des Ruhrgebiets auseinandergesetzt und präsentieren am 18.06.2017, 15 Uhr, ihre beiden gemeinschaftlich verfassten Romane – mal Utopie, mal Dystopie – in Lesungen und Gesprächen in der Kaue der Zeche Carl: „Raumschiff Emscherprise. Ein Green-Capital-Roman“ und „Uferlos. Ein Emscher-Endzeitroman“ (beide erschienen im Klartext Verlag). Der Eintritt ist frei.

Weronika Kapala, Autorin im Teilprojekt „Die grüne Stadt“ und junge Wortklauberin für die Zeche Carl, berichtet hier im Blog über die gemeinsame Arbeit:

„Die grüne Stadt“ – ein tolles Projekt mit einer tollen Idee. Green Capital – die grüne Hauptstadt. Sie fragen sich vielleicht: Was haben die Aliens damit zu tun? Und genau das ist das Tolle an diesem Projekt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hier war man frei. Das Buch „Raumschiff Emscherprise. Ein Green-Capital-Roman“, was das Ergebnis des Projekts ist, ist eine Mischung aus all dem, was in unseren Köpfen drin steckt.
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25. Mai 2017
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Lautmalerische Worte #2: Unkenrufe

„Das wird nie was!“
„Das schaffst du doch sowieso nicht.“
„Warum solltest ausgerechnet du das können?“

Ich will sie nicht hören, diese Unkenrufe von den ewigen Zweiflern.
Na ja, um ehrlich zu sein: Die Rufe kommen nicht von draußen, sie ertönen in meinem eigenen Kopf.
Ich gehöre zu den Leuten, die sich immer mal wieder mit (Selbst-)Zweifeln quälen. Gerade unter Autoren soll das normal sein. Ob es sein muss, ist eine andere Frage.
Wo kommen sie eigentlich her, die Unkenrufe?

Meine Recherche bei Wikipedia und Co. ergibt zunächst, dass Unken zur Gattung der Froschlurche zählen. Die Rufe der Männchen in der Paarungszeit klingen seltsam melancholisch (Rotbauchunken) bis glockenartig (Gelbbauchunken). Möglicherweise ist der Name Unke eine lautmalerische Ableitung des Unkenrufs. Vielleicht wurde der Name aber auch vom nordgermanischen Wort ûkôn für Kröte abgeleitet (oder vom ebenfalls nordgermanischen unkvi für Schlange, der angeblich manchmal fälschlich der Unkenruf zugeschrieben wurde, weil sich etwa die Ringelnattern an den gleichen Orten wie die Unken aufhalten). Und die Kröte steht als Sinnbild des „Unheilspropheten oder Verkünders schlechter Omen“.
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