Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

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Carls Schreiberin im Einsatz
buchstabensuppe

7. Dezember 2016
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Wortneuschöpfung #1 – REILLUSIONIERT

Wittgenstein hat es gewusst. Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. Ist doch wahr. Was ich nicht mit Worten auszudrücken vermag, kann ich nicht nur nicht mitteilen. Ich kann es nicht einmal denken. Es existiert schlichtweg nicht.

Die gute Nachricht: Macht nichts. Wer hindert uns denn daran, neue Worte zu basteln?

WORTNEUSCHÖPFUNGEN, die wir aus Buchstaben zusammenbasteln, welche wir gierig aus metaphorischen Buchstabensuppen schöpfen. Ist es, nebenbei bemerkt, nicht interessant, dass das Wort SCHÖPFER sowohl Gott als auch eine Suppenkelle bezeichnen kann? Ich schweife ab.

Zurück zum Thema: Gerade erst habe ich ein neues Wort gebastelt. Weil ich es so dringend brauchte.

Denn: Neulich. In einer Workshopwoche mit Jugendlichen, die Teil eines mehrwöchigen Projekts war. Am Ende sollte ein kompletter Roman stehen. Jede Woche trug eine andere Gruppe ihren Teil dazu bei. Zum Workshop gehörten auch Vorträge.

Bei einem dieser Vorträge sollten die Teilnehmer sagen, wann Sommeranfang ist.
Im Februar, riet einer. Nennen wir ihn M.
März, riet eine andere. Nennen wir sie N.
Juni, landete Teilnehmer O. den Zufallstreffer.

Im Vortrag fiel auch nebenbei die Info, dass Meerwasser kein Trinkwasser ist.
Wieso nicht?, wollte N. wissen.
Weil es Salz enthält.
Salz?, wunderte sich N. Das hatte sie nicht gewusst.

Im Vortrag ging es auch darum, was wir heute dafür tun können, dass die Erde in Zukunft noch bewohnbar ist.
Was interessiert uns das?, fragte N. Wir sind doch dann gar nicht mehr da.
Sie fragte nicht, um zu provozieren.
Sie fragte, weil sie es so meinte.
Mir fehlten die Worte. Ich fühlte eine Sprachlosigkeit in mir, die wehtat. Weiterlesen →

innehalten

4. Dezember 2016
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Schöne Worte #7 – innehalten

Neulich auf der A45: „In fünfhundert Metern links halten“, befiehlt die Stimme aus dem Navi. „Komisch“, kommt es vom Rücksitz. „Ich dachte immer, auf der Autobahn dürfte man nicht halten.“
Ich versuche zu erklären. Den Unterschied zwischen „Spur halten“ und „anhalten“.
Gar nicht so einfach. Außerdem sollte sich der Fahrer auf das Fahren konzentrieren und nicht auf das Erklären. Aber wie so oft ist Multitasking gefragt. Das schlimme Wort, das uns zuverlässig in der Tretmühle hält.

„Hält“, da ist es schon wieder, das Halten. Bei „festhalten“ denke ich als Erstes an eine milde Form von Freiheitsberaubung. Andererseits halten wir auch schöne Erinnerungen fest – oder versuchen es jedenfalls. Notfalls mit der Kamera. Weiterlesen →

schwarmintelligenz

1. Dezember 2016
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Schöne Worte #4, #5, #6 – Schwarmintelligenz, nein, Orbit

Als Kind hatte ich ein Bilderbuch von Leo Lionni. „Swimmy“ erzählte die Geschichte eines kleinen Fisches, der mitsamt seinem Fischschwarm einen großen gefährlichen Fisch in die Flucht schlug. Seitdem weiß ich, dass SCHWARMINTELLIGENZ gut ist.

Wobei mir schon klar ist, dass Menschen im Mob auch besonders blöd sein können. Wenn sie all ihre Dämlichkeit zusammenschmeißen. Also SCHWARMDÄMLICHKEIT. Aber ich wollte ja über Schwarmintelligenz schreiben.

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30. November 2016
nach Carls Co-Schreiber
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Maronen für Norbert – Carls Co-Schreiber stellt sich vor

Darf ich mich vorstellen? Ich bin der Neue. Carls Co-Schreiber. Eigentlich heiße ich Tobias Steinfeld, bin 33 Jahre alt und schreibe Theaterstücke und Geschichten. Außerdem leite ich Schreib- und Audiowerkstätten für Jugendliche. Für meinen ersten Roman wurde ich unter anderem mit dem Mannheimer Stadtschreiberstipendium ausgezeichnet und war dort der „Feuergriffel“.

Seltsame Identitäten, die man in seinem Leben so annimmt: Carls Co-Schreiber. Der Neue. Feuergriffel. Und: Tobias Steinfeld.

Besonders der eigene Name ist mindestens so fest an die eigene Person gebunden, wie der Barde Troubadix auf jeder letzten Seite im Asterix-Comic an den Baum.

Wir haben nicht nur Namen – wir sind Namen. Ich BIN Tobias. Ich BIN Carls-Co-Schreiber. Bei Letzterem hatte ich Mitspracherecht, was eher selten vorkommt, wenn es um die Namensgebung geht. Namen geben einem meist die anderen. Weiterlesen →

nein

29. November 2016
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Carls Co-Schreiberin? Was ist das denn für eine?

Hallo, ich bin Anja Kiel. Ab jetzt darf ich als Carls Co-Schreiberin in diesem schönen Blog mitschreiben.

Puh, geschafft. Die ersten Wörter sind raus.
Aber ob das die richtigen waren? Der erste Eindruck zählt, heißt es doch so schön.
Das erste Wort ist also wichtig.

Als ich vor vielen, vielen Jahren mit dem Sprechen anfing, soll NEIN mein erstes echtes Wort gewesen sein.
Ausgerechnet. Bin ich das? So ein negativ eingestellter NEIN-Sager?
„Du wirst doch bestimmt mal Autorin wie deine Mutter!“, wurde mir in meiner Kindheit oft gesagt. Weil ich gern las. Und eine Eins in Deutsch hatte. Na ja, manchmal jedenfalls.
Aber ich sagte NEIN. Lieber Köchin werden. Oder Ballerina. Oder Illustratorin.
Wurde ich dann doch nicht. Das Leben sagt eben auch oft NEIN.

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unbedacht

24. November 2016
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Wortentdeckungen #2 – unbedacht

Es gibt schöne Worte, die können gar nichts dafür, dass sie so schön sind. Weil man Seiten und Bedeutungen an ihnen entdecken kann, die haben die Wörter selbst gar nicht bedacht. Worte, die also unbedacht schön sind.

Wie das Wort … UNBEDACHT.

Wieso, kann man jetzt fragen. Ist doch ein ganz simples Wort, das einfach nur besagt, dass etwas gesagt wird, ohne dass vorher so recht darüber nachgedacht wurde, und das ist doch nun wirklich das Normalste auf der Welt, weil wir doch alle andauernd sprechen und handeln, ohne jedes Wort und jede

Tat bis ins letzte Detail zu durchdenken.

Wohl wahr.

Das Wort UNBEDACHT wird auch erst auf den zweiten und dritten Blick schön.

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18. November 2016
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Pop mit Tony Mono

Am 10. November habe ich die 1LIVE-Veranstaltung „Pop mit Tony Mono“ in der Weststadthalle in Essen besucht.

Die Show wurde von einem coolen Beatboxer namens Lino eröffnet. Er hat verschiedene Laute und sogar ganze Lieder nur mit seinem Mund nachgemacht. Dadurch wurde die Stimmung in der Halle angeheizt.

Nach dieser kleinen Beatbox-Einlage kam Tony Mono auf die Bühne. Mit ein paar Witzen und parodierten Liedern (z.B. „So wie du bist“ von Motrip oder „Astronaut“ von Sido ft. Andreas Bourani) versuchte er das Eis zu brechen. Natürlich griff Tony Mono auch das aktuelle Thema auf: Clinton und Trump. Statt eines Duells sangen Clinton und Trump im Duett – dargestellt von Tony Mono und seiner Assistentin Laura mit den passenden Masken.

Zur Freude des Publikums bezog Mono die Besucher sehr mit in die Show ein. So konnte man sich auf einer Internetseite anmelden und Musikwünsche für eine „Live-Karaoke“ abgeben, die dann folgte. Ein junges Mädchen musste auf der Bühne „Teenage Dirtbag“ in einer künstlichen Dusche performen. Außerdem wurde eine Band mit Leuten aus dem Publikum gegründet und die restlichen Zuschauer konnten mit Hilfe ihrer Handys das beste Mitglied der Band wählen.

Nach einer ca. zwanzigminütigen Pause überraschten Mono und seine zwei Assistenten mit einer „Rapper-Parodie“. Laura hieß nun „Mushido“ und war die kleine Schwester von Bushido. Dabei dienten Mono und Lino als ihre Backgroundtänzer.

Gegen Ende der Show erzählte Mono dem Publikum, dass seine Show immer mit einer Fortsetzung seiner Oper endet. Für diesen Part lieh er sich ein junges Mädchen aus dem Publikum. Um eine Erinnerung an die Show zu haben, hatte Tony Mono die Idee, bei der – gerade in den sozialen Netzwerken angesagten – „Monoquin Challenge“ mitzumachen. Dabei wurde ein Video gemacht, bei dem plötzlich alle in einer Position „einfrieren“.

Alles in allem war es ein sehr schöner und lustiger Abend.

 

Text und Foto: Moutasm Alyounes

[avatar user=“junge Wortklauber“ size=“original“ align=“left“]Die jungen Wortklauber sind eine Redaktion von Jugendlichen, die Carls Schreiberin mit Beiträgen unterstützen.[/avatar]

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15. November 2016
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Altenessen-Konferenz: Mobilität und Verkehr

Am 06.11.16 war ich in der Zeche Carl. Hier fand die achte Altenessen-Konferenz statt. Jede Konferenz hat ein anderes Thema. Die Teilnehmer waren diesmal Bürger, Experten, Polizisten, Vertreter der EVAG und des Ordnungsamts. Sie unterhielten sich über Verkehr und Mobilität im Stadtteil.

Es gibt viele Probleme in den Bereichen Radwege, Parkplätze, Busse und Straßenbahnen. Die Besucher der Konferenz haben sich auf vier Gruppen verteilt und jede Gruppe besprach ein Thema. Dann haben sie – mit Hilfe von Straßenkarten – gezeigt, an welchen Straßen es welche Probleme gibt. Sie diskutierten mit den Experten, warum es die Probleme gibt und wie sie diese gemeinsam lösen könnten.

Alle Ergebnisse wurden dann vorgestellt und werden auch auf der Internetseite der Altenessen-Konferenz veröffentlicht.

Ich freue mich, dass alle zusammengearbeitet und gemeinsam Lösungen überlegt haben. Alle Leute haben unterschiedliche Meinungen, aber ein gemeinsames Ziel: eine schöne Stadt zu haben.

 

Text und Foto: Moutasm Alyounes

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10. November 2016
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Babylonische Sprachverwirrung: Nonfood. WTF?

Neulich. In einem Supermarkt in Bochum-Hamme. Am Vormittag – weil ich gedacht habe, dass ich mal eben kurz einkaufen kann, während ich eigentlich im Home Office arbeiten müsste. So kann ich der rush-hour vorbeugen und ganz easy ein paar Lebensmittel shoppen. Hab ich gedacht. Stattdessen bekam ich unverhofft Zeit, ein bisschen über Sprache und ihre Folgen nachzudenken …

Die Kasse, bei der ich mich anstelle, schließt gerade. „Hier bitte nicht mehr anstellen“, motzt mich die Kassiererin an. So what. Dann halt zur anderen Kasse. Doch just in dem Moment, als meine Lebensmittel auf dem Kassenband bis zur Spitze vorrücken, wird ein Kunde mit Umtausch dazwischengelassen.

Kein Ding. Auch wenn man mich wenigstens hätte fragen können.
Nicht, dass ich nein gesagt hätte.
Nicht, dass ich darüber groß nachgedacht hätte.
Normalerweise.
Aber unverhofft habe ich Zeit dafür.
Ziemlich viel Zeit sogar.
Denn der Umtausch dauert.
Und dauert.
Und dauert.
Come on!

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verschnoerkelt

3. November 2016
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Schöne Worte #3 – verschnörkelt

Gestern auf CARL. Die Redaktion der jungen Wortklauber tagte.

In einer Redaktionssitzung fallen viele Worte.

Manche lässt man liegen.

Manche hebt man wieder auf. Klaubt sie zusammen.

Zum Beispiel das Wort VERSCHNÖRKELT.

Ein Wort, das bei den Wortklaubern, die teilweise noch gar nicht lange Deutsch sprechen, Verwunderung auslöst. Kein Alltagswort. Eher ein Wort für besondere Gelegenheiten. Die besondere Gelegenheit ist in unserem Fall ein Gespräch über Hausfassaden. Jugendstilhausfassaden, die, im Gegensatz zu den ganzen 50er/60er-Jahre-Hausfassaden, die das Gesicht des Ruhrgebiets so sehr prägen, ornamental und verspielt sind. VERSCHNÖRKELT eben.

Da steht also das Wort VERSCHNÖRKELT im Raum und will erklärt werden.

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