Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin
Abschiedsstimmung

26. Juni 2018
von Carls Co-Schreiberin
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Wichtige Worte #11 Stimmung. Ein Abschied?

Vor ein paar Wochen passierte es. Das, was mir als Autorin eigentlich nicht passieren darf. Mir blieb die Stimme weg. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zu viele Lesungen? Zu viele Workshops geleitet? Oder einfach die Folge einer Erkältung? Egal, mehr als ein Krächzen blieb nicht übrig, und das war höchst unangenehm.
Vor allem, weil ich feststellen musste, wie der Verlust der Stimme mit einer Abwärtsbewegung der Stimmung einherging. Mein getrübter Gemütszustand wiederum hatte Auswirkungen auf mein Schreiben. Ich kam einfach nicht in die richtige Stimmung. Die Worte wollten nicht sprudeln. Die Fantasie war gelähmt.

Jetzt geht es meiner Stimme wieder gut, aber schon kündigt sich etwas anderes an: die Abschiedsstimmung. Drei Jahre des Projekts „Im Anfang war das Wort“ auf der Zeche Carl gehen zu Ende. Ich war nicht von Anfang an dabei, aber doch seit über anderthalb Jahren. Da durfte ich als Carls Co-Schreiberin meine Stimme auf diesem Blog der Zeche Carl erheben. Durfte mit Carls Schreiberin Sarah Meyer-Dietrich und Carls Co-Schreiber Tobias Steinfeld als Redaktions-Leiterin die Stimmen der Jungen Wortklauber einfangen. Durfte bei den Schreibambulanzen anderen helfen, ihre Stimme in Worte zu fassen. Heute schreibe ich – vorerst – meinen letzten Beitrag. In Abschiedsstimmung. Einer, wie der Duden erklärt „von einem bevorstehenden Abschied geprägten, meist wehmütigen Stimmung“. Weiterlesen →

22. Juni 2018
von Carls Co-Schreiber
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Ein offenes Wort #7: Offenheit

Zum Glück war mein Nachbar so gut, mein Paket anzunehmen. Als ich es abholen wollte, sagte er: „Ihr Paket ist offen. Aber ich war das nicht.“ Ich schaute mir das Paket an. Der Inhalt schien vollständig und unbeschädigt zu sein.
„Alles klar“, sagte ich und bedankte mich. Mein Nachbar wollte noch etwas loswerden: „Der Bote hat das auch aufgeschrieben. Hier!“ Er drückte mir einen Zettel in die Hand. Auf dem stand: „Paket ist offen. Nicht der Nachbar.“ Beide Informationen stellten für mich keine Neuigkeiten dar, aber die zweite machte etwas mit mir. Sie brachte mich zum Nachdenken. „Nicht der Nachbar“ suggerierte mir, mein Nachbar wäre nicht offen. Er war also zu beziehungsweise geschlossen. Trotzdem stellte ich mir vor, wie er wohl offen aussähe. Mit offenem Mund oder mit einer Klappe am Bauch, geöffnet mit Hilfe eines Griffs.

Unsere Körper öffnen wir meist hinter verschlossenen Türen. Im OP zum Beispiel. Oder im Schlafzimmer. Natürlich auf dem Klo. Und in Deutschland verschließen wir sie sowieso gern. Diese Türen. Gerade in NRW. „Einbruchsland Nummer 1“ lautet die viel zitierte Headlline dazu.

Abgesehen vom Körperlichen gibt es, was die Offenheit betrifft, aber noch wichtigere Ebenen: die emotionale zum Beispiel. Oder die soziale.
Auch hier verschließen wir gern unsere Türen. Wir klappen einen Karton aus Pappe um uns herum und zurren ihn fest. Mit Paketband. Wir wollen professionell sein, möchten nicht, dass Arbeitskollegen Privates über uns erfahren. Bloß keine Blöße. Weiterlesen →

Ich habe einen Traum

19. Juni 2018
von junge Wortklauber
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Ich habe einen Traum

„Die Welt geht unter.“
„Ich kann nicht mehr.“
„Ich bin kaputt.“
„Ich habe kein Geld.“

Wie oft habe ich solche Sätze in letzter Zeit gehört?

Ich weiß, dass das Leben kein Ponyhof ist. Ich weiß, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Ich weiß, dass das Leben schwer und hart sein kann. Das ist ABER kein Grund, sich aufzugeben. Es ist kein Grund, sich immer bei anderen zu beschweren oder Ausreden zu suchen.

Jeder Mensch hat Probleme, aber jeder Mensch hat auch Träume. Träume, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Martin Luther King hatte einen Traum, der ihn umbrachte. Er kämpfte bis zum Ende für Menschenrechte und gegen Rassismus.
Nicht nur Martin Luther King, über den ich vor einiger Zeit schon einmal geschrieben habe, hatte Träume. Ich habe auch Träume. Weiterlesen →

14. Juni 2018
von Carls Schreiberin
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Worte. Auf (Ess)papier

Ich begreife das nicht, sage ich.
Sitze vor dem Fernseher oder Computer.
Sehe Nachrichten aus aller Welt. Nachrichten, die nicht zu begreifen sind.
Ich versuche, das Unfassbare zu erfassen und taste ins Nichts.

Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, die sich durch den Fernsehbildschirm von den Dingen berühren lassen, hörte ich neulich einen Fernsehmoderator sagen. Stellte mir vor, wie Hände aus dem Bildschirm wachsen und nach mir greifen. Immer geht es ums Anfassen. Begreifen. Und ergriffen sein. Erfassen. Und berühren. Und berührt werden.

Das berührt mich, sagen wir. Tangiert mich. Tangiert mich nur peripher. Tangiert mich nicht. Geht mir am Arsch vorbei. Trifft mich also nicht. Betrifft mich nicht. Macht mich nicht betroffen.
Was berührt uns in einer Zeit, in der wir die meisten Briefe nicht mehr anfassen können. Weil sie nicht auf Papier geschrieben sind. Sondern uns als E-Mails, Shortmassages, Posts erreichen. Schlimmer noch: Sprachnachrichten.
Was berührt uns, wenn wir an schriftlichen Liebeserklärungen nicht mehr riechen, gemeine Nachrichten nicht mehr zerreißen, traurige Nachrichten nicht mehr in Tränen ertränken können, bis die Tinte zerläuft?
Soll man gemeine E-Mails ausdrucken, um sie dann zu zerreißen?
Warum nicht, denke ich.
Warum nicht. Weiterlesen →

Denkzettel?

9. Juni 2018
von Carls Inge
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Mehrdeutige Worte #1: Denkzettel

Gestern bekam ich eine kurze Mail mit dem Text: Hab mir dazu jetzt einen Denkzettel in den Kalender geklebt.
Denkzettel. Ja sicher, die Klebezettel oder Post-its sind im wahrsten Sinne des Wortes Denk-Zettel.
Sie sollen uns an etwas erinnern, das wir zu erledigen haben, woran wir dringend denken, vielleicht auch, worüber wir nochmal intensiver nachdenken wollen.
Das Großfamilientreffen organisieren.
Seifenblasen nachkaufen.
Allerdings kannte ich den Begriff Denkzettel bisher nur mit anderer Bedeutung: Jemandem einen Denkzettel verpassen. Das kann unterschiedlichste Formen annehmen, ist aber immer eine Art Bestrafung oder Drohung, manchmal auch beides.
Ich hab deine dreckigen Stiefel versteckt, damit du endlich lernst, sie auszuziehen, bevor du die Wohnung betrittst.
Wenn du noch einmal vergisst, die Zahnpasta-Tube zuzuschrauben, dann kannst du was erleben … Weiterlesen →

4. Juni 2018
von Carls Schreiberin
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Von geschenkten Sätzen: Ist das Leben nicht schrecklich schön?

Im Anfang war das Wort.
Eigentlich eher der Buchstabe.
In Schreibschrift. Und dann in Druckschrift.
Und direkt danach kamen die Kinderbücher, die ich in großen Mengen zu lesen begann. Sodass meine Kinderwelt bevölkert war von Kleinst- und etwas größeren Lebewesen (alle meine Tierchen, wie Carls Co-Schreiberin jüngst schrieb).
Lebewesen, die mir Sätze schenkten.

Im Anfang der Buchstabe, das Wort, der Satz, das Buch.
Und Pu, der Bär.
Aber vor allem Pus Freund Ferkel.
Fühlte ich mich einmal besonders untapfer, war es Ferkel, das mir leise zuflüsterte: „Es ist schwer, tapfer zu sein, wenn man nur ein sehr kleines Tier ist.“ Ein Satz, der mir geblieben ist. Ein Satz, der mir noch heute in den Kopf kommt, wenn ich mich besonders klein fühle. Ein Satz, den Carls Co-Schreiberin und Carls Inge und ich uns gegenseitig zuflüstern, wenn wir ihn vor lauter Kummer doch einmal vergessen haben: „Es ist schwer, tapfer zu sein …“

Kam es besonders schlimm, konnte ich mich mit Alexander Käfer, dem kleinsten von Kaninchens Verwandten und Bekannten, kopfüber in einer Spalte im Boden verkriechen. Dort darauf warten, dass die Gefahr vorüber ging. Vielleicht hatten wir Glück und trafen dort in der Erdspalte einen Maulwurf, der genüsslich murmelte: „Wie behaglich, wie geruhsam.“
Kein Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte.
Ein Maulwurf namens Grabowski.
Ein Maulwurf, der doch ganz bestimmt polnische Wurzeln gehabt haben muss. Ein Maulwurf, dessen Vorfahren vielleicht wie meine aus Polen ins Ruhrgebiet eingewandert waren. Er hat mir kein Wort polnisch beigebracht. Aber er hat mir einen Satz geschenkt, der blieb. Weiterlesen →

Lupe

31. Mai 2018
von junge Wortklauber
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Auf der Suche nach Vorbildern

Es war einmal ein kleines Mädchen. Ihr Name war Ella, und sie war neun Jahre alt. Eines Tages bedrückte Ella etwas. Sie horchte ganz tief in sich hinein, konnte jedoch nicht feststellen, woran es lag. Bauchschmerzen hatte sie nicht. Fieber auch nicht. Genauso wenig eine Erkältung.

Aber was war es, das unserer kleinen Ella solche Sorgen bereitete, wenn es weder Bauchschmerzen, noch Fieber oder eine Erkältung waren?

Auch Ella konnte es sich nicht erklären. Fest stand nur, dass sie sich komisch fühlte, so als fehle ihr etwas …

Ach, was ist denn heute nur mit mir los??? Gestern ging es mir doch noch perfekt: In der Schule haben wir einen Ausflug in den Zoo gemacht, am Nachmittag habe ich mich mit Lisa getroffen und abends hat Mama ihre leckere Lasagne gemacht.
Eigentlich müsste alles gut sein. Aber irgendwie ist es das nicht …

Da kam Bello, der Hund von Ella, angetrabt und kuschelte sich auf ihren Schoß. Weiterlesen →

Schmetterling auf Flieder

24. Mai 2018
von Carls Co-Schreiberin
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Alle meine Tierchen

Kürzlich schrieb Carls Schreiberin Sarah über das Ausbeuteltier. Ich war überrascht, dass das Ausbeuteltier anscheinend bei ihr zu Hause lebt. Bei ihr, aber nicht IN ihr. In mir leben jede Menge Tiere. Nicht so angewidert gucken, euch geht es doch genauso!
Wer zum Beispiel den Artikel über „selten“ von Carls Co-Schreiber Tobias liest, könnte möglicherweise hinterher einen Ohrwurm haben. Mir ging es so. Und „An der Nordseeküste“ (bitte, gern geschehen!) gehört zu den Ohrwürmern, die ich am allerwenigsten mag. Vermutlich, weil er Soundtrack zu einer Phase in meinem Leben war, die nicht so angenehm war. Es soll übrigens helfen, das Lied in Ruhe einmal von vorne nach hinten zu hören, um den Ohrwurm wieder loszuwerden. Ausgerechnet. Weiterlesen →

16. Mai 2018
von Inges Wortklauber
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Ein offenes Wort #6: Rap auf einen Rapper

Ein Kommentar zum Auftritt von Bushido bei Maischberger am 02.05.2018

Es war erschreckend

Was ist das für ne Kunst,
wo einer nur rumgrunzt,
andere diskriminiert,
sich dabei blamiert, aber es nichts merkt,
weil er selbstzufrieden rumwerkt,
sich erhöht und andere verletzt,
weil er weiß, wie man hetzt,
Frauen ordinär als Geschlechtsteil anspricht,
so widerlich und geschmacklos Tabus bricht,
sexuelle Ausrichtungen verunglimpft,
junge Menschen damit impft,
Religionen beschimpft,
nur seine nicht, das darf man nicht.
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14. Mai 2018
von Carls Schreiberin
1 Kommentar

Wortneuschöpfung #4: Ausbeuteltier

Das Ausbeuteltier blickt auf die Uhrzeitanzeige seines Laptops. Es ist 10 Uhr. Das Ausbeuteltier reckt und streckt sich. Wie lange es wohl schon hier sitzt?

„Drei Stunden“, sagt das Ausbeuteltier. „Netto. Also nach Abzug von Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen.“

„Oh“, sage ich. „Wie erfreulich. Da hast du ja nur noch fünf Stunden vor dir und kannst um 15 Uhr Feierabend machen.“

Ich sage das bloß, um das Ausbeuteltier zu ärgern. Weil ich genau weiß, dass es von 15 bis 17 Uhr einen Workshop leitet. Und im Anschluss noch zwei bis drei Stunden Auftragstextertier sein wird. Genauso wie ich weiß, dass es Augenwischerei ist, wenn das Ausbeuteltier Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen in voller Höhe von der Arbeitszeit abzieht, weil es beim Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen keineswegs nicht arbeitet, sondern seine Gedanken schon wieder um dies und das kreisen, Ideen entwickeln, Probleme lösen.

„Pfff“, sagt das Ausbeuteltier verächtlich und tippt schon wieder los.

Woher es nur immer diese ganze Energie nimmt, frage ich mich.

„War doch eben erst Wochenende“, sagt das Ausbeuteltier. Weiterlesen →