Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

16. Mai 2018
von Inges Wortklauber
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Ein offenes Wort #6: Rap auf einen Rapper

Ein Kommentar zum Auftritt von Bushido bei Maischberger am 02.05.2018

Es war erschreckend

Was ist das für ne Kunst,
wo einer nur rumgrunzt,
andere diskriminiert,
sich dabei blamiert, aber es nichts merkt,
weil er selbstzufrieden rumwerkt,
sich erhöht und andere verletzt,
weil er weiß, wie man hetzt,
Frauen ordinär als Geschlechtsteil anspricht,
so widerlich und geschmacklos Tabus bricht,
sexuelle Ausrichtungen verunglimpft,
junge Menschen damit impft,
Religionen beschimpft,
nur seine nicht, das darf man nicht.
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14. Mai 2018
von Carls Schreiberin
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Wortneuschöpfung #4: Ausbeuteltier

Das Ausbeuteltier blickt auf die Uhrzeitanzeige seines Laptops. Es ist 10 Uhr. Das Ausbeuteltier reckt und streckt sich. Wie lange es wohl schon hier sitzt?

„Drei Stunden“, sagt das Ausbeuteltier. „Netto. Also nach Abzug von Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen.“

„Oh“, sage ich. „Wie erfreulich. Da hast du ja nur noch fünf Stunden vor dir und kannst um 15 Uhr Feierabend machen.“

Ich sage das bloß, um das Ausbeuteltier zu ärgern. Weil ich genau weiß, dass es von 15 bis 17 Uhr einen Workshop leitet. Und im Anschluss noch zwei bis drei Stunden Auftragstextertier sein wird. Genauso wie ich weiß, dass es Augenwischerei ist, wenn das Ausbeuteltier Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen in voller Höhe von der Arbeitszeit abzieht, weil es beim Kaffeemachen, Duschen, Wäschefalten und Neuewäscheaufhängen keineswegs nicht arbeitet, sondern seine Gedanken schon wieder um dies und das kreisen, Ideen entwickeln, Probleme lösen.

„Pfff“, sagt das Ausbeuteltier verächtlich und tippt schon wieder los.

Woher es nur immer diese ganze Energie nimmt, frage ich mich.

„War doch eben erst Wochenende“, sagt das Ausbeuteltier. Weiterlesen →

Tobias Steinfeld: "Scheiße bauen, sehr gut"

8. Mai 2018
von Carls Co-Schreiberin
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Heikle Worte #1: behindert.
Tobias Steinfelds Buch „Scheiße bauen: sehr gut“

Carls Co-Schreiber Tobias Steinfeld hat ein Buch geschrieben und im Thienemann Verlag veröffentlicht. „Scheiße bauen: sehr gut“ handelt von Paul, der als „Schnupperpraktikant“ an einer Förderschule arbeiten soll, dort aber für den Förderschüler Per gehalten wird. Anstatt das Missverständnis aufzuklären, taucht Paul als teilnehmender Beobachter in die Welt der Förderschule ein.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Weil die Protagonisten sympathisch sind. Und weil die Geschichte spannend ist, ja teilweise sogar richtig dramatisch. Aber lustig ist sie auch. Wenn Paul alias Per mal wieder nichts checkt. Obwohl er doch eigentlich gar nicht behindert ist. Wenn der Sportlehrer wie ein Irrer – äh, Bekloppter, äh … Also, wenn der Sportlehrer bei seinem selbsterfundenen Spiel mal wieder zeigen muss, wie toll und sportlich er ist. Oder wenn der echte Förderschüler Fatih den falschen Per fragt: „Bist du behindert?“

Ich finde, dass Tobias Steinfelds Buch nicht nur gut zu lesen ist, sondern dass es auch ein wichtiges Buch ist. Weiterlesen →

2. Mai 2018
von Carls Co-Schreiber
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Wortentdeckung #10: selten

Am Wochenende unterhielt ich mich mit einem Freund über das Sängerduo Klaus & Klaus und ihren berüchtigten Hit „An der Nordseeküste“. Im Fokus stand dabei diese eine Liedzeile, die in den 80ern und 90ern auf keinem deutschen Schützenfest fehlen durfte:

„An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand, sind die Fische im Wasser und selten an Land.“

Wenn ich mir diesen Satz so anschaue, fällt mir daran nicht viel Ungewöhnliches auf. Die Bezeichnung „am plattdeutschen Strand“ ist noch das Highlight. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum die Menschen das Lied so liebten. Weil die Fische im Wasser sind und selten an Land. Hier geht alles seinen geregelten Lauf. Oder wie es in einer Strophe heißt: „Nach Flut kommt die Ebbe, nach Ebbe die Flut.“ Heißt übersetzt: Bei uns, am plattdeutschen Strand, da gibt es keine Probleme, keine bösen Überraschungen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Typisch Heimatlied.

Mein Kumpel aber, der wusste schon in jungen Jahren, dass diese Zeile in Wahrheit eine ganz andere Bedeutung hat. Der hielt das Wort „selten“ nämlich für ein Verb. Er dachte: Die Fische sind im Wasser und selten an Land. Das gefiel mir sofort. Und es erschien mir logisch. Wenn zelten ein Verb ist, dann müsste selten doch auch eines sein.
Treffen sich also zwei Fische an Land. Fragt der eine: Was machst du denn da? Sagt der andere: Ich selte.
Aber was soll das sein, dieses Selten? Weiterlesen →

28. April 2018
von Carls Inge
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Wichtige Worte #10: Zeit

Carls Schreiberin hat Ende November 2017 in diesem Blog über eine Zeitreise durchs Ruhrgebiet geschrieben. Anlässlich der Finissage von „Wege zur Metropole Ruhr – Heimat im Wandel“, einer Ausstellung im Kubus auf dem Gelände von Situation Kunst in Bochum-Weitmar.
Diese Ausstellung hat den Zeitenwandel in unserer Region auf vielen beeindruckenden Fotos sichtbar gemacht.

Zeit. Aus einer ganzen Reihe zusammengesetzter Worte springt uns der Begriff entgegen.
Ob Zeitalter oder Zeitspanne, Zeitraum oder Zeitenwechsel, Arbeitszeit, Teilzeit und Vollzeit, Endzeit oder Traumzeit, Freizeit oder Zeitbombe, Zeitfenster oder Herbstzeitlose, diese Aufzählung lässt sich leicht fortsetzen …

Und so leben wir alle nicht nur in der – nämlich unserer – Zeit, wir werden auch ständig und auf unterschiedlichste Weise mit dem Begriff konfrontiert, ob wir ihn bewusst wahrnehmen und darüber nachdenken wollen oder nicht. Häufig wehren wir uns gegen das Nachdenken, denn das Wort Zeit verweist nicht nur auf Dauer, sondern auch auf Endlichkeit.
Ich war in den ersten Monaten dieses Jahres schon mehrfach auf Beerdigungen von Menschen, die ich mochte und die nicht erst im Greisenalter gestorben sind. Und ich dachte bestürzt und traurig, dass ihr Leben vor-zeitig zu Ende war, dass ich ihnen mehr Zeit gewünscht hätte.
Wobei Zeit an sich noch kein Qualitätsmerkmal beinhaltet. Es muss sich schon um eine gute, gut gestaltete, sinnvoll gelebte Zeit handeln. Und was das heißt oder heißen kann, darüber hat jeder seine eigenen Vorstellungen.
Während ich diese Sätze schreibe, verrinnt schon wieder ein Stück Zeit.

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16. April 2018
von junge Wortklauber
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Wer weiß, was ich weiß

Ich weiß viel und ich weiß, dass du auch viel weißt.
Aber wenn du viel weißt, worüber ich nichts weiß, heißt es nicht, dass ich nichts weiß, sondern, dass ich nicht dabei war, als du anfingst, das zu wissen.
Ich weiß auch Sachen, über die du nichts weißt.
Aber ich würde dir nicht sagen, dass du nichts weißt, weil du nicht weißt, was ich weiß. Denn ich weiß, dass du nicht dabei warst, als ich anfing, das zu wissen. Weiterlesen →

12. April 2018
von Carls Co-Schreiber
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Verblüffende Sätze #4: Alle doof außer ich!

Carlsschreiberin hat sich mit dem „Ich-selbst-Sein“ und den Hindernissen, die das mit sich bringt, beschäftigt. Ich selbst habe viel genickt beim Lesen ihres Beitrags und an einer Stelle ganz besonders. Ich bin nämlich auch froh, dass ich mein Inneres während meiner jugendlichen Findungsphase in den 90ern nicht über Facebook und Co nach außen kehren konnte. Potenzial für Peinlichkeiten war vorhanden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich gerne mal quietschbunte Bilder mit frechen Sprüchen drauf gepostet hätte, ist hoch. Die folgende Geschichte ist zumindest ein Indiz dafür. Vor allem aber beschäftigt sie sich mit mir selbst – besser gesagt sogar mit „ich selbst“.

Ich (selbst) war ungefähr dreizehn. Ein Schulfreund von mir hatte zur Geburtstagsparty eingeladen und wir sind mit ein paar Kumpels zu Elektro Brinkmann, um ein Geschenk zu kaufen. An diesem Tag entdeckten wir dort ein neues Regal. Das Regal mit den Sprüche-T-Shirts. Eines dieser T-Shirts erschien uns besonders prächtig, und wenn es einer tragen konnte, dann das Geburtstagskind. Schließlich war er erst vor kurzem in die Bäckerei unseres Vertrauens marschiert, bekleidet mit einer schwarzen Lederweste, auf der hinten, mit weißem Edding geschrieben, „Fuck you!“ nebst ausgestrecktem Mittelfinger, stand. Das auserkorene T-Shirt ließ sich sicherlich hervorragend mit dieser Weste der Rebellion kombinieren. Es war weiß, viel zu groß und auf gelber Sprechblase stand in pinker Schrift: „Alle doof außer ich!“ Weiterlesen →

4. April 2018
von Carls Schreiberin
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Verblüffende Sätze #3: Sei einfach du selbst

Sei einfach du selbst. So ein Satz, der mir immer mal wieder über den Weg läuft. Immerhin ist Authentizität eine zeitgenössische Tugend. Sogar der Werbung verzeiht man zur Not, dass sie Werbung ist, wenn sie nur authentisch zu sein scheint.
Sei einfach du selbst. Klar. Kein Ding. Pipileicht. Nichts einfacher als das, sage ich.
Und dann fällt mir ein, wie viele Tage, Wochen, Monate, Jahre ich gebraucht habe, um annähernd herauszufinden, wer das eigentlich sein soll. Diese ICH SELBST. In unzähligen Tagebucheinträgen sezierte ich diese ICH SELBST.

Das Problem fängt damit an, dass es unmöglich ist, das eigene Innere mit Abstand zu betrachten. Nein, ich meine natürlich nicht die inneren Organe. Sondern den Charakter, das Wesen, die Seele oder was auch immer dafür verantwortlich ist, dass ich ich bin. Wir können das Innere nicht mit Abstand in einem Spiegel betrachten, weil wir nun mal keine Poppels sind. Poppels? Na, Sie wissen schon, diese Stofftiere, deren Inneres man nach außen wenden kann. Ja, stimmt, aus den 80er-Jahren, als es auch Wendepullis und -jacken gab.

Ich bin froh, dass ich meine sezierenden Selbstbetrachtungen als Kind der 80er in einer Jugend der 90er zelebrieren konnte, als es noch kein Facebook, Twitter, Instagram gab. Sonst hätte ich meine ICH-Suche sehr wahrscheinlich in aller Öffentlichkeit durchgeführt. Auch auf Facebook, Twitter, Instagram kann man nicht unmittelbar den Charakter, das Wesen, die Seele darstellen. Aber man kann das eigene Leben wie einen Poppel umkrempeln. Das Innere nach Außen. Guck, mein Urlaub, mein Zuhause, mein Essen, mein Drink. Guck, das bin ich. Das ist meine Meinung. Das mag ich. So bin ich. So absolut wahnsinnig authentisch, dass es fast schon weh tut.
Ja, man muss es zeigen. Muss es dauernd weiterentwickeln, dieses ICH SELBST. Gucken, ob es noch genug Likes kriegt.

Und dann gibt es immer auch Menschen, die meinen, dass sie uns besser kennen als wir selbst. Menschen, die sagen: Das bist doch gar nicht du. Du bist irgendwie nicht du selbst gerade. Ach wirklich? Schmarrn! Wer soll ich denn sein, wenn ich gerade nicht ich bin?! Weiterlesen →

2. April 2018
von junge Wortklauber
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Das Pendel meines Lebens: Von Bochum nach Düsseldorf und wieder zurück

Bochum Hauptbahnhof. Wattenscheid Bahnhof. Essen Hauptbahnhof. Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof. Duisburg Hauptbahnhof. Düsseldorf Flughafen. Düsseldorf Hauptbahnhof. Und jetzt lest das Ganze noch mal umgekehrt. Nur ein paar Wörter, die bei mir täglich fast drei Stunden meines Alltages ausmachen. Bei dieser Menge an Zeit habe ich irgendwann den Kompromiss geschlossen, dass ich nie bloß eine Veranstaltungen am Tag belege, sondern mindestens zwei, damit sich der Weg zur Uni Düsseldorf auch lohnt. Weiterlesen →

31. März 2018
von junge Wortklauber
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Meine Motivation zum Schreiben

Bevor ich anfange, die Motivation, die mich zum schreiben bewegt, zu erklären, würde ich gerne noch ein paar Dinge über mich erzählen.

Ich habe mich schon ziemlich früh für das Lesen von Geschichten interessiert. Es kam eine ganze Reihe an Büchern zusammen, die ich gelesen habe. Am liebsten las ich Fantasyromane und Krimis, später kamen dann auch noch Abenteuerromane hinzu. Doch mit der Zeit habe ich gemerkt: Jedes Mal, wenn ein Roman endete, fühlte ich mich leer und konnte mir nicht erklären, warum ich jedes Mal, obwohl das Buch spannend und toll erzählt war, so leer und teilweise sogar schon unzufrieden war.
Dann erkannte ich schließlich, was mich so leer fühlen ließ. Die Fragen, die ich mir stellte, blieben immer offen. Das lag ganz einfach daran, dass ich bei einem Buch nie einfach nur der Geschichte, die das Buch erzählt hat, gefolgt bin – ich habe mir beim Lesen immer noch Gedanken dazu gemacht, was den Charakteren noch alles passieren kann, was sie noch erleben können und das ging weit über ein Ende des Buches hinaus. Weiterlesen →