Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

29. April 2017
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Eiergeschichten #2 – Das Überraschungsei

Im zweiten Teil unserer Serie “Eiergeschichten” erzählt Zalmai, was alles passieren kann, wenn man sein Überraschungsei auch nur ein paar Sekunden aus den Augen lässt. Für ihn wenig überraschend – für uns schon!

Wir saßen alle am Tisch, da legte Tobias eine Tüte auf den Tisch. Wir wussten nicht, was drin war. Dann holte er ein paar Überraschungseier aus der Tüte. Meine Augen beobachteten nur die Tüte voller Schoko-Eier. Ich wartete darauf, dass er sie an uns verteilt. Nach ein paar Minuten gab er jedem ein Schoko-Ei und alle fingen an zu essen. Ich wollte auch essen, aber dann dachte ich mir, dass ich es lieber zu Hause essen sollte. Auf dem Weg schaute ich nur das Ei an und erinnerte mich an meine Kindheit, als unsere Mama an Neujahr jedem von uns ein gekochtes Ei gab und wie sehr wir uns immer darauf gefreut hatten. Die Zeit läuft, aber die guten und schlechten Erinnerungen bleiben im Kopf. Das war eine der guten Erinnerungen meiner Kindheit. Ich schaute weiter das Ei an, und bis ich zu Hause war, kamen viele weitere Gedanken in meinen Kopf. Oh! Endlich zu Hause. Ich warf meine Tasche in die Ecke und setzte mich auf die Couch. Weiterlesen →

21. April 2017
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Eiergeschichten #1 – Das Erinnerungsei

Zur letzten Redaktionssitzung brachte CARLs Co-Schreiber Überraschungseier mit. Und was machten die Wortklauber? Sie schrieben über ihre Erfahrungen mit den Eiern. In unserer Serie „Eiergeschichten“ lest ihr ab heute spannende, spielerische und schokoladige Texte. Den Anfang macht Weronika, die beim Öffnen dieses kleinen Eis eine große Erkenntnis formuliert. Lasst Euch überraschen!

Ein Ei. Eine Überraschung für Kinder. Eigentlich bloß ein Ei aus Schokolade, in dem Kinder Spielzeuge finden können. Manchmal ist das ein kleiner Roboter, den man zusammenbauen muss, manchmal ist es eine Figur oder ein Auto zum Spielen. Kaum jemand denkt wirklich über diese Eier nach, wenn er sie im Supermarkt an der Kasse liegen sieht. Doch für manche Menschen sind sie Erinnerungsstücke, die sie an die Kindheit denken lassen – daran, wie es damals war. Und für uns Wortklauber ist das Ei ein Thema, über das wir schreiben können. Weiterlesen →

24. März 2017
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Schockierende Worte #1 – totgerupft

Vor einiger Zeit erreichte mich der Geburtstagswunschzettel eines Freundes in Form einer Whatsapp-Nachricht. Da ich so etwas nicht alle Tage bekomme, begann ich sofort neugierig die Lektüre. Der erste Wunsch hatte es bereits in sich. Da stand: „Bettdecke aus Daunen, 2,20 m, rotgetupft, Bio, aus Deutschland.“
Ich las weiter und als ich fertig war, begann ich wieder von vorne: „Bettdecke aus Daunen, 2,20 m, …“ Ich erschrak. Da, wo ich eben noch „rotgetupft“ gelesen hatte, stand nun ein anderes Wort. Ein Wort, das ich, glaube ich, noch nie gelesen oder gehört hatte und gesagt, hatte ich es ganz sicher noch nie. Da stand „totgerupft“. Weiterlesen →

6. März 2017
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Lautmalerische Worte #1 – knacken

Vor ein paar Tagen erreichte uns ein Paket. Der Inhalt (Retro-Spiele aus den 80ern) war vom Absender sorgsam mit Knackfolie umwickelt. Die heißt offiziell Luftpolsterfolie. Aber Knackfolie … Das klingt doch viel schöner! Das ist lautmalerisch, onomatopoetisch wie der Experte sagt. Und das Zerplatzenlassen der Bläschen mit den Fingern (oder Füßen) ist ja so beruhigend. Jedenfalls, solange man selbst knackt. Wenn andere knacken …

Ich denke über das Wort und das Geräusch „knacken“ nach. Im Februar war es noch knackig kalt draußen. „Lass knacken!“, wollte ich da dem sich zierenden Frühling zurufen. Und hätte mich sofort als jemand geoutet, der nicht mehr so ganz jung ist. „Lass knacken“? Sagt heute kaum noch jemand. Heute wird verlangt: „Chill mal, Alter!“ Warum nicht „Chill mal, alter Knacker!“? Ob diese abfällige Bezeichnung mit knackenden Gelenken im Alter zu tun hat, ist nicht sicher. Auf der Seite www.redensarten-index.de finde ich eine weitere Erklärung: „Alter Knacker“ komme wahrscheinlich aus dem Handwerk der Flachs- und Leinspinner. Damit alle Faden-Spulen zum Abrechnen gleich viel Garn enthielten, hatte die Haspel ein einfaches Zählwerk, das nach einer bestimmten Länge einmal knackte. Angeblich wurde mit dem Aufhaspeln oft der Großvater betraut. Aha!
Aber heute sind die Alten rüstiger denn je. Da wird nicht mehr gesponnen und schon gar nicht geknackt.
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22. Februar 2017
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Liebevoll – Schreibambulanz zum Valentinstag

Weiche orangefarbene Samttücher auf den Tischen. Kleine Filzherzchen in pink, rosa und rot, die zusammen mit süßen Herzbonbons auf den Tischen verteilt liegen. Und nicht zu vergessen: rote Luftballons.
Inmitten dieser Dekoration im Altenessener Allee-Center sitzen CARLs Schreiberin Sarah Meyer-Dietrich und CARLs Co-Schreiber Tobias Steinfeld. Beide sind mit einem Stift und einem Block bewaffnet. Sie warten auf Leute, die ihren Liebsten eine ganz besondere Freude machen wollen.
Denn es ist der 13. Februar und der Valentinstag steht vor der Tür. Egal ob jung oder alt: Jeder der will, bekommt in der heutigen Schreibambulanz eine Karte geschrieben.

Allein die Dekoration und die Liebe zum Detail hätten mich schon auf die Aktion aufmerksam gemacht. Ich hätte bestimmt Lust bekommen, mir eine Karte schreiben zu lassen. Ich fühle mich sofort herzlich willkommen.

Da bin ich auch nicht die einzige, wie ich schnell bemerke. Besonders Kinder scheinen magnetisch von der Aktion angezogen zu werden. CARLs Schreiberin bestätigt meine Beobachtung: „Die meisten Karten habe ich heute tatsächlich für Kinder geschrieben. Natürlich auch welche für Erwachsene, aber die Zahl der Kinder überwiegt eindeutig.“
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19. Februar 2017
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Einkaufen am Sonntag?

Es war Sonntag und ich war gerade aus Köln am Hauptbahnhof Essen angekommen. Ich war müde und hungrig und wusste, dass zu Hause der Kühlschrank leer war.

Mir war langweilig und ich musste noch eine halbe Stunde auf meine Bahn warten. Da dachte ich mir, bis meine Bahn ankommt, kann ich mir was zum Trinken und Essen bei Lidl kaufen, weil am Sonntag nur Lidl geöffnet hat. Ich ging in den Lidl rein und schaute nach rechts und links, sah aber keinen Warenkorb. Es waren so viele Leute da, so als ob die aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Essen gekommen wären. Ich hatte gedacht, am Sonntag blieben alle zu Hause, weil da alles zu ist. Ganz im Gegenteil!

Tja, was jetzt? Ach egal. Ich nahm einen leeren Karton, damit ich darin die Sachen bis zur Kasse tragen konnte. Ja, was brauchte ich denn alles? Brot oder Toast esse ich am meisten. Aber leider gab es kein Brot und keinen Toast mehr. Oh nein! Was sollte ich heute Abend kochen?
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16. Februar 2017
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Schöne Worte #10 – schulhofkorrekt

Letzte Woche: In einem Workshop lege ich Jugendlichen eine Liste mit Eigenschaften vor. Da stehen Wörter drauf wie zum Beispiel gelassen, aufbrausend, diplomatisch, neugierig, extravagant oder korrekt.
Sie diskutieren leise darüber, was das ein oder andere Wort genau bedeuten soll und ich höre, wie ein Junge zu seinem Sitznachbarn sagt: „Leo ist zum Beispiel korrekt. Und du bist auf jeden Fall auch korrekt!“
„Ah“, sagt der Sitznachbar, bedankt sich dann und gibt die Blumen zurück: „Ich find‘ dich auch voll korrekt.“
„Danke!“
Ich frage in die Runde: „Was bedeutet eigentlich korrekt?“ Weiterlesen →

27. Januar 2017
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Zuverlässig – die Schreibambulanz in der Gruga

Letztes Wochenende besuchten wir im Auftrag von CARL mit der Schreibambulanz die Eröffnung der Grünen Hauptstadt Essen. Unsere Mission: Grüße aus dem Grugapark in die Welt verschicken. Handgeschrieben. Auf Postkarten. Alte Schule.

Auf dem Hinweg bleibt mein Blick an einem Bulli hängen, der mit den Worten beschriftet ist: „Essen – Zuverlässigkeit hat einen Namen.“ Aha, denke ich.
Wir warten in unserer Hütte (mit Heizstrahler), die schwer nach Weihnachtsmarkt aussieht, auf potentielle Schreiberinnen und Schreiber. Als CARLs Co-Schreiber ist es meine Aufgabe, Menschen beim Schreiben zu unterstützen und Postkarten von Menschen für Menschen zu schreiben. CARLs Bernd warnt mich – mit all seiner Erfahrung – vor: „Wahrscheinlich müssen wir kaum selbst schreiben, sondern die Leute hauptsächlich animieren, mitzumachen.“
Er hat recht: Die Menschen schieben sich an unserer Hütte vorbei. „Bei uns können Sie Postkarten schreiben! Und wir verschicken sie!“ Viele bleiben stehen, sind interessiert, stellen Fragen. Wir kommen ins Gespräch. Die ersten Karten werden geschrieben. CARLs Bernds Einschätzung war zuverlässig, denke ich und, in Anlehung an den Spruch auf dem Bulli: „CARLs Bernd: Zuverlässigkeit hat einen Namen.“ Weiterlesen →

24. Januar 2017
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„Sind Sie Flüchtling?“ – meine Wohnungssuche

Ich war auf der Suche nach eine Mietwohnung. Ich suchte in der Zeitung nach einem passenden Angebot und rief eine Nummer an. Eine Frau meldete sich.
Ich: „Ich rufe an wegen der Wohnungsanzeige.“
Die Frau: „Woher kommen Sie?“
Ich: „Ich komme aus Syrien.“
Die Frau: „Bist du gläubig oder ungläubig? Bist du Christ oder Moslem? Bist du Araber oder Kurde?“
Ich: „Ist das so wichtig?“
Die Frau: „Naja, ich hatte schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen. Ich melde mich später.“
Die Frau meldete sich nicht und das wunderte mich nicht.

Der zweite Versuch: Ein Mann war dran.
Ich: „Ich rufe an wegen der Wohnungsanzeige.“
Der Mann: „Sind Sie Flüchtling?“
Ich: „Ja.“
Der Mann: „Es tut mir leid. Ich vergebe keine Wohnungen an Flüchtlinge.“
Dann legte er auf. Schade. Wir hätten uns in einem persönlichen Gespräch kennenlernen können. Vielleicht hätten sie gute Erfahrungen mit einem Flüchtling als Mieter machen können. Nämlich mit mir ;-).

Moutasm Alyounes

18. Januar 2017
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Schöne Worte #9 – Doppelback, Zartissa, BoHim

Heute berichte ich von den Händlern, die mich und meine Familie während meiner Kindheit besuchten. Ihre Besuche waren wie kleine Schauspiele. Die Händler traten auf und traten wieder ab. Wie auf einer Bühne. Und alles an ihnen sprach zu mir: Ihre Worte. Ihre Handlungen. Ihre Waren.
Dienstags kam der Bäcker, mittwochs der Eiermann und freitags der Obstmann. Der Bofrostfahrer kam alle paar Wochen. Genau wie die Hakafrau. Aber ich wusste nie, wann.
Von niemandem kannten wir den Namen. Der Eiermann hieß Eiermann. Der Obstmann hieß Obstmann. Doch der Bäcker hieß nicht Brotmann. Der Obstmann hätte auch Gemüsemann heißen können. Hieß er aber nicht. Der Bofrostfahrer hieß nicht Bofrostmann. Auch die Hakafrau kannten wir nicht beim Namen. Obwohl sie stets ihre Visitenkarten daließ. Später habe ich erfahren, dass die Hakafrau in der Familie eines Freundes nicht Hakafrau, sondern Hakawischwaschfrau hieß. Weiterlesen →