Carls Schreiberin

Zeche Carl, Essen

Carls Schreiberin

19. September 2017
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Wortentdeckungen #5: UM

Ich. Neulich. Mit meiner chinesischen Sprachschülerin – nennen wir sie M. – mit der ich deutsche Bücher lese, damit sie Deutsch lernt.
M. übersetzt die deutschen Sätze ins Englische. Ich korrigiere, erkläre und ergänze.
Während ich noch einem Wort aus dem letzten Satz nachhänge, beginnt M. bereits den nächsten Satz zu übersetzen:
They walked around their lives.

Ich stutze.
They walked around their lives?

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Wäsche

11. September 2017
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Sommergeschichten #6 – Die fünf Phasen der Ferien

Denken wir zurück an Freitag, den 14. Juli 2017…
Für manche war er einer der schönsten, für andere eher einer der gefürchtetsten Tage des Jahres und für ganz andere wieder einer, der beides war. Die Rede ist vom letzten Schultag. Nicht von irgendeinem letzten Schultag … NEIN! Ich meine den letzten Schultag vor den Sommerferien. Den Tag, der mit einer sehr unbeliebten Erfindung eine wunderschöne Zeit einläutet. Eine Zeit mit vielen neuen Erfahrungen. Denn es warteten sechs freie Wochen, in denen man machen konnte, was man wollte.

Und von meinen Ferien und wie ich sie erlebt habe, werde ich euch jetzt berichten:
Auch bei mir begannen die sechs Wochen mit diesem besagten Freitag und ich gebe zu, dass ich eher zu den Personen gehöre, die den Tag mit gemischten Gefühlen erleben. Denn auf der einen Seite ist es zwar ein schöner Tag, aber auf der anderen Seite bin ich oft ziemlich nervös, was mein Zeugnis betrifft. Wie auch immer …
Mit dem Verlassen der Schule waren diese Sorgen vergessen und ich empfand ausschließlich Vorfreude! Vorfreude auf die ruhige Zeit und natürlich auf den Urlaub. Für mich stand eine zweiwöchige Sprachreise auf dem Programm.

Diese sollte erst in der zweiten Woche beginnen, und somit hätte ich noch eine Woche Zeit für Phase 1 ,,Die Vorfreude‘‘ gehabt. Ich dachte, ich könnte eine Woche zu Hause entspannen, einfach mal nichts tun und mich auf den Urlaub freuen. Aber das wäre ja zu schön gewesen … Anstatt mich zu entspannen, hatte ich schon nach zwei Tagen den Wochentag, das Datum und die Uhrzeit vergessen, was zu einer Dauerverwirrung und Nervosität bei mir führte. 
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29. August 2017
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Schöne Worte #11 – Edelhelfer

In meinem Text Abgestrampelt bedanke ich mich herzlich bei meinem Edelhelfer für seine treuen Dienste während unserer Radreise. Mein Edelhelfer war stolz und dankbar. Andere wussten mit dem Begriff nichts anzufangen. Was also ist ein Edelhelfer?
Wenn ich über das Wort edel nachdenke, schießen mir einige Begriffe in den Kopf: Edelstein zum Beispiel oder Edelmetall, Edelweiß und Edelmann, edler Ritter und edle Dame. Was sie gemeinsam haben? Sie beschreiben etwas Hochwertiges, etwas, das von besonderer Reinheit ist, vielleicht auch besonders schön oder stolz, besonders nobel oder vornehm. Was edel ist, erscheint zunächst immer in irgendeiner Form besonders. Manchmal auch besonders mies. Weiterlesen →

24. August 2017
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Sommergeschichten #5 – Sommer im Fenster

Das Wasser war so sauber, dass ich den Grund sehen konnte. Als ich hochblickte, schien die Sonne. Der warme Wind rauschte vom Horizont her. Entspannung. Wohlfühlen. Einfach nur relaxen. Kein Stress, keine Gedanken im Kopf. Ein Traum.

In der Krankenhausküche sehe ich nur ein kleines Fenster. Durch das Fenster sehe ich Bäume, welche die Sonne verdecken. Die Spülmaschine gibt sehr viel Wärme ab. Es ist heiß. Doch nach einiger Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

„Zum Abendessen Weiß- oder Rotwein?“,  fragte der Kellner freundlich. Ich habe kurz nachgedacht. Zu dem Essen, das auf dem Teller lag, passte eher der Rote. „Den Rotwein, bitte!“, habe ich gesagt. Nach ein paar Minuten brachte er mir ein Glas. Inzwischen war die Sonne untergegangen. Wie jeden Tag bin ich, nachdem ich fertig gegessen hatte, zum Strand gegangen. Die meisten anderen Gäste sahen eine Show an oder haben etwas anderes im Hotel gemacht. Es war also schön leer.

Als ich endlich Feierabend habe, was in der Regel nie rechtzeitig der Fall ist (ich muss immer Überstunden machen), gehe ich aus dem Krankenhaus. „Tschüss, schönen Feierabend!“, sagen die Security-Männer. „Ciao, schöne Schicht!“, sage ich mit einem gezwungenen Lächeln. Ich schaue noch schnell auf die Uhr. Es ist zehn. In fünf Minuten kommt die Bahn. Es wird knapp. Ich zünde eine Zigarette an und marschiere in einem schnellen Tempo Richtung Haltestelle. Weiterlesen →

14. August 2017
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Wortentdeckungen #3 // Sommergeschichten #4: erfahren

CARLs Co-Schreiber berichtet, was er auf seiner Radtour erlebt hat. Erfahren hat, könnte man sagen. Und kaum habe ich das Wort gedacht, kommt in meinem Kopf etwas in Fahrt. Eher bergab als bergauf. Bei bergab denken ja alle, dass es jetzt richtig mies wird, aber manchmal wird es auch bloß einfach. Wenn nach einer mühsamen Bergauffahrt eine entspannte, rasante Abfahrt folgt zum Beispiel. Wie man wieder bremst, ist allerdings eine andere Frage.

Abfahren ist auch ein Wort, über das man nachdenken kann. Ich fahr auf dich ab. Könnte heißen, jemand benutzt mich als Abfahrtsrampe und kann mir also, wörtlich genommen, den Buckel herunterrutschen. Ist aber nicht so. Ich fahr auf dich ab. Ein Satz, der ganz schön überfahren kann. Aus dem Nichts angeschossen kommen, den Zebrastreifen missachten, BÄÄM, und dann am besten noch Fahrerflucht.

Aber ich wollte ja über erfahren nachdenken.

Ich könnte nachschlagen, wo das Wort herkommt. Aber vielleicht wollen Wörter ja nicht dauernd gefragt werden, wo sie herkommen. Vielleicht haben sie einfach keinen Bock, immer wieder nach ihrem Migrationshintergrund gefragt zu werden.

Mir ist der Migrationshinterhrund von erfahren also grad mal schnuppe. Ich freu mich einfach bloß. Weil Erfahrung, genauer betrachtet, nach Abenteuer klingt. Mit Jacques Kerouac on the road: in Güterzügen, Greyhound-Bussen und auf Lkw-Pritschen. Mit Odysseus auf Irrfahrt über die Weltmeere. Was haben die alles erfahren. Über die Welt und sich selbst. Erfahren im allerbesten Wortsinne.

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Gepäck

10. August 2017
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Sommergeschichten #3 – Hilfe, Urlaub!

Adapter, Bücher, Chlorbrille, Duschgel …

Als ich noch ein Kind war, habe ich nie begriffen, warum meine Mutter kurz vor Beginn unseres Urlaubs am liebsten zu Hause geblieben wäre.
„Der Garten ist doch gerade jetzt so schön“, sagte sie.
Ich machte große Augen. Wie kann ein Garten mit ein paar Johannisbeerbüschen schöner sein als das Meer? Attraktiver als der Strand? Besser als Meloneneis an der Promenade?

… Ersatzbrille, Federballschläger, Gesichtscreme, Haarbürste …

Heute vermute ich, dass meine Mutter nicht nur wehmütig an die Johannisbeeren dachte, die in unserer Abwesenheit reif und von den Vögel gefressen werden würden.
Sicher waren es auch all die zu erledigenden Dinge, die in ihrem Kopf herumspukten. Allein schon das Kofferpacken für eine fünfköpfige Familie. Weiterlesen →

8. August 2017
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Sommergeschichten #2 – Ich brauche Sonnenschein

Für mich ist es ist schwierig zu beschreiben, wie sich der Sommer hier in Deutschland anfühlt. Für die Menschen, die schon immer hier leben, ist es vielleicht einfacher. Für sie bedeutet Sommer wahrscheinlich, in den Urlaub zu fahren. Bei mir ist das anders. Abgesehen davon, dass Deutschlands Sommer für mich gar kein richtiger Sommer ist: Der Regen im deutschen Sommer ist stärker als der Regen in meinem Heimatland Syrien im Winter.

Ich lebe jetzt seit fast zwei Jahren in Deutschland. Zum Anfang kannte ich die Sprache nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie sich das Leben hier wirklich lebt. Ich bin also neu hier – ein Fremder. Ich will meine Sprache verbessern, ich will genau wissen, wie das Leben hier läuft. Ich will die Zeit nutzen, um viel zu nachdenken. Ich will erfolgreich sein. Egal ob Sommer oder Winter: Zeit ist Gold. Für mich sind Sommer und Sonnenschein, wenn ich alles, was ich will, in diesem Leben, in dieser Zeit schaffe. Weiterlesen →

31. Juli 2017
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Unsere Sommergeschichten #1 – Abgestrampelt

Andere Zeitungen und Blogs haben ein Sommerloch, wir starten richtig durch: mit unserer neuen Reihe „Unsere Sommergeschichten“. Den Anfang macht CARLS Co-Schreiber. Im Redaktionsplan steht dazu: „Tobias radelt durch Bayern“. Was sich gemütlich anhört, entpuppte sich als … – doch lest selbst!

Alleine wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen – doch als Freunde mir vorschlugen, mit ihnen in den Fahrradurlaub zu fahren, sagte ich zu. Ich kaufte mir ein paar Radtaschen, einen Helm und ein Rad. Einmal fuhr ich damit von Düsseldorf zu CARL nach Essen. Ich sah mich bestens gerüstet für die große Tour.
Wir starteten in Kaufbeuren. Nach zwanzig Minuten Bergauffahrt waren zwei meiner drei Radkollegen aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich traf sie wieder im Tal, soeben hatte mein Tacho 54 Stundenkilometer angezeigt. Eigentlich wollte ich fragen, ob das nun der Grundtenor unserer Tour sei, doch es war noch zu früh für die Opferrolle. Die Antwort folgte dann ein paar Kilometer weiter. „14 %“, stand auf einem Schild. Eine steile Rampe ging geradeaus bergauf. Bei jedem Pedaltritt überlegte ich, abzusteigen, aber: Das hier war Tag Eins und wir noch nicht mal eine Stunde auf dem Sattel. Weiterlesen →

19. Juli 2017
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Nachwuchsfotografen unterwegs im Ruhrgebiet

Wer sich im Ruhrgebiet mit dem Thema Strukturwandel beschäftigt, begegnet ihm auf viele unterschiedliche Arten.

Eine künstlerische und gleichzeitig pädagogische Annäherung war das Essener Kulturrucksack-Projekt „Zeitdetektive“. Dazu trafen sich Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren, um gemeinsam fotografische Eindrücke von bekannten Kulturschauplätzen im Ruhrgebiet einzufangen. So war die Gruppe etwa im Nordsternpark Gelsenkirchen, rund um die Zeche Carl in Essen oder am 07.06.2017 im Landschaftspark Duisburg unterwegs – begleitet von den Jungen Wortklaubern.

Unter der Leitung von Kunstpädagoge Martin Domagala trafen sich sechs Teilnehmer vor Ort. Anderthalb Stunden wollten sie am Schauplatz verbringen, den Hochofen und die Aussichtsplattform im Visier. Nach einer kurzen Besprechung am Eingang schwärmten die Kinder und Jugendlichen aus, die Kameras gezückt. Die Ausrüstung wurde hauptsächlich vom Fotostudio der Folkwang Universität der Künste zur Verfügung gestellt. Martin Domagala begleitete die jungen Teilnehmer, half ihnen, die Kameras richtig einzustellen, beantwortete Fragen und gab Tipps. „Einfach da sein“ sei wichtig, sagte er auf Nachfrage. Weiterlesen →

12. Juli 2017
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Ein offenes Wort #2: Weil alle über Strukturwandel reden

Ich habe mal eine Frage an euch: Welches Bild habt ihr vor Augen, wenn ihr an Strukturwandel denkt?
Also, wenn ich an Strukturwandel denke, kommt mir immer das Bild des Ruhrgebiets in den Sinn. Ich denke daran, wie es aussah, als es noch eine Montanregion war, und Kohlestaub und rauchende Öfen das Gebiet zeichneten. Der Strukturwandel änderte nahezu alles in der Region. Die Fabrikanlagen wurden zu Kulturzentren, wie hier die Zeche Carl, oder zu Museen wie die Zeche Zollverein. Dass es bei einem Strukturwandel aber immer zwei Seiten gibt, habe ich im Rahmen einer Facharbeit, welche ich als Ersatz für meine Geschichtsklausur angefertigt habe, herausgefunden. Denn so gut dieser Strukturwandel auch zu verlaufen scheint, bringt er auch ganz klare Verlierer hervor.

Ich sehe ganz deutlich, wer die Verlierer des Strukturwandels sind: die Arbeiter in den Bergwerken und in den Industrieanlagen.
Es fehlte ihnen an Allgemeinbildung, da der Stellenwert der Bildung erst nach der Kohlekrise ausgebaut wurde. Vorher schien die schlichtweg nicht nötig, da mussten die Arbeiter nur das mindeste an Bildung haben, um in den Zechen zu arbeiten zu können.
Durch das Zechensterben und den Abbau der Arbeitsplätze im Industriebereich verloren weit über 60 Prozent der Arbeiter im Bereich der Industrie ihre Jobs mit kaum Chancen auf andere Stellen. Weiterlesen →